Handbuch
Titel des Handbuches "Heterogenität ruft nach Dialog" (2009).
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Folgende Kapitel sind im Handbuch enthalten:
1. Einleitung
2. Umgang mit Heterogenität
3. Class room management
4. Diagnose
5. Lernstrategien
6. Selbst-Reflexion von Lehrern
7. Wahrnehmung, Kommunikation und Konfliktmanagement
8. Portfoliomethode
9. Kreatives Schreiben
10. Individuelles Fördern von Kleinkindern
11. Lernen mit gehörlosen Jugendlichen
12. Literaturverzeichnis
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Titel, Texte und
TIPPs - eine einführende Übersicht
Heiner Flottmann,
Bernd Trenner
Projekte werden nach ihrem Abschluss vor allem auch daran
gemessen, ob die Arbeit zu einem verwertbaren Handlungsprodukt geführt hat. Ein
Projektergebnis für das Projekt TIPP (Teachers In Practice and Process), das
von der EU als multilaterales COMENIUS-Projekt von 2007 bis 2009 für zwei Jahre
gefördert worden ist, sollte, so steht es im Projektantrag, ein „Handbuch für
Classroom-Management" sein, in dem zahlreiche TIPPs für den Umgang mit
Heterogenität in Schule und Unterricht aufgeführt sind. Dieses Handbuch - „Heterogenität
ruft nach Dialog"
- liegt mit der vorliegenden Sammlung
von Beiträgen aller am Projekt beteiligten Institutionen vor. Neben
Textbeiträgen der Partner aus den EU-Ländern Litauen, Polen, Tschechien,
Österreich und Deutschland hat auch die wissenschaftliche Begleitung für das
vorliegende Handbuch Beiträge zu den Themen „Heterogenität" und
„Classroom-Management" entwickelt.
Von Beate Wischer, Universität Osnabrück, ist der Text
„Umgang mit Heterogenität im Unterricht - Das Handlungsfeld und seine
Herausforderungen" verfasst worden. Beate Wischer hat das Projekt
wissenschaftlich begleitet. In ihrer Veröffentlichung geht sie - ausgehend von
einer Problemfeldanalyse und einer Darstellung der Vielschichtigkeit des
Begriffs Heterogenität - auf die Bedeutung der Notwendigkeit hoher
Reflexionskompetenz ein. Ihre Ausführungen münden in eine Darstellung von zu
fördernden Lehrer- und Schülerkompetenzen. Sie schließt ihren Beitrag mit einer
Betrachtung grundsätzlicher Widersprüche des Lehrerhandelns in Bezug auf
Heterogenität. Beate Wischer hat ihr Kapitel durch relevante praxisorientierte
TIPPs ergänzt.
Von Rainer Dollase, Universität Bielefeld, der mit seinen
Mitarbeitern das Projekt evaluiert hat, stammt der Beitrag „Klassenführung -
Die Bedeutung der Komplexitätsreduktion für den guten Unterricht". Dollase
fordert ein effizientes „Classroom-Management", das sich seiner Auffassung nach
dadurch auszeichne, dass die Komplexität des Gruppengeschehens so
synchronisiert und reduziert werde, dass alle mitarbeiten und dass es wenig
Fehlverhalten gibt. Das Verstehen der zugehörigen Gesichtspunkte
Allgegenwärtigkeit, Überlappung, Reibungslosigkeit und Schwung, Aufrechterhaltung
des Gruppenfokus sieht Dollase nicht als
Problem; problematisch sei vielmehr deren Realisierung im Unterricht.
Eine wesentliche Aufgabe beim Umgang mit Heterogenität im
Unterricht ist das „Diagnostizieren". Diesem Thema widmen Lea Solty und Claas
Wegner, beide Universität
Bielefeld, ihren Aufsatz „Das Diagnostizieren im Unterricht". Die Heterogenität
einer Schülergruppe zeichnet sich durch vielschichtige Typen aus. Das
Autorenteam stellt diese unterschiedlichen Typen vor und stellt TIPPs vor, wie
Lehrerinnen und Lehrer mit den jeweils diagnostizierten „Typen" umgehen können.
Lea Solty und Claas Wegner haben diesen Beitrag ergänzt um ihren Aufsatz
„Lernstrategien für Lehrende". Sie gehen davon aus, dass ein Wissenserwerb nur
dann nachhaltig gelingen kann, wenn bei den Schülern Kompetenzen gefördert
werden, die geeignet sind, selbstständig Informationen zu suchen, zu
verarbeiten und zu speichern und sie befähigen, diesen Prozess zu lenken und zu
überwachen. Dafür haben die Autoren ein Bündel von Lernstrategien aufgeführt,
erläutert und durch geeignete TIPPs ergänzt.
Christina Hager, Pädagogische Hochschule Wien, spricht in
ihrem Textbeitrag „Das (Selbst-) Reflektieren des Lehrers/der Lehrerin im
Unterricht" ebenfalls die in der Mehrzahl der in diesem Band veröffentlichten
Beiträge wiederholt geforderte Notwendigkeit zu laufender Reflexion an. Der
Erfolg eines Lehrers/einer Lehrerin hängt ihrer Meinung nach von einer
ausgeprägten Reflexionskompetenz ab. Beobachtung und Analyse des eigenen
Handelns und daraus erwachsende Konsequenzen bezeichnet sie als wesentliche
Orientierungshilfen zur Optimierung der eigenen Reflexionskompetenz.
Der Beitrag der Autorengruppe des Bielefelder
Studienseminars (Heiner Flottmann, Hans Grygier, Uwe Hilgers und Bernd Trenner)
bezieht sich auf die Bereiche Wahrnehmung, Kommunikation und
Konfliktmanagement. In ihrem Text stellen die Autoren Ergebnisse ihrer Arbeit
mit angehenden Lehrerinnen und Lehrern vor. Auch in diesem Beitrag wird
deutlich, dass es für Lehrerinnen und Lehrer wichtig ist, das
Unterrichtsgeschehen auf der Metaebene immer wieder aus der Distanz zu
beobachten. Darüber hinaus fordern die Autoren, das Zuhören zu
professionalisieren. Über das Zuhören erlangen Lehrer ein stärkeres
Einfühlungsvermögen und können damit Interaktionsgeschehnisse sehr viel
erfolgreicher gestalten. In einem weiteren Bereich, den die Autoren ansprechen,
der sich mit dem Umgang mit Konflikten befasst, wird die Empfehlung
ausgesprochen, dass Konflikte von einer Lehrperson nicht persönlich genommen
werden dürften, dass sie vielmehr so zu verstehen seien, dass sich Schülerinnen
und Schüler in ihrem Entwicklungsprozess an einer Autoritätsperson „reiben"
können sollen (vgl. DVD zu diesem Projekt).
Martin Cichon erläutert in seinem Beitrag „Der Portfolio-Einsatz
am Beispiel einer Klasse mit Minderheitencharakter" das Vorgehen und die
Vorteile der Portfolio-Methode. Seine Erfahrung zeige, so schreibt er, dass
über diese Methode dadurch eine größtmögliche individuelle Förderung der Lerner
erreichbar sei, dass - ausgehend von der Diagnose des individuellen Lernstandes
- individuelle Lernprogramme entwickelt werden und die Schritte auf dem Weg zum
gesetzten Ziel vom Lerner dokumentiert und reflektiert werden (vgl. DVD zu
diesem Projekt).
Der tschechische Beitrag stammt von Pavla Zajícová,
Universität Ostrava. Auf der Grundlage der aktuellen Erkenntnisse der
Lernpsychologie stellt die Autorin Unterrichtsbeispiele aus dem Fach „Deutsch
als Fremdsprache" vor. Sie beschreibt Möglichkeiten, wie man einen Raum dafür
schaffen kann, dass Schüler/innen bzw. Studierende eine Fremdsprache lernen,
indem sie sich über ihre Ich-, Du- und Welterfahrung in freiem ästhetischen
Ausdruck gegenseitig austauschen. Das geschieht im ersten vorgestellten Konzept
„subjektiv-spielerisch-experimentell" über die Methode des kreativen
Schreibens; das zweite Konzept orientiert sich an Textrezeption und
-interpretation und greift auf theaterpädagogische Zugänge zurück (vgl. DVD zu
diesem Projekt).
Das Autorenteam der Pädagogischen Hochschule Vilnius stellt
in seinem Text „Individuelles Unterrichten von Vor- und Grundschulgruppen"
verschiedene Varianten von Spielen vor, die man mit kleinen Kindern spielen
kann, um über die Beobachtung beim Experimentieren und Spielen den
individuellen Entwicklungsstand eines Kindes zu diagnostizieren (vgl. DVD zu
diesem Projekt). Kinder haben ihre jeweils eigenen Interessen, sie verfügen
über einen individuellen Erfahrungsschatz und nutzen eigene Wege der
Wahrnehmung. Die Kenntnis dieser Unterschiede ermöglicht einem Pädagogen den
Einsatz individuell abgestimmter Aktivitäten, um darüber zu erreichen, dass
sich jedes Kind wohl fühlt und motiviert ist, die Umwelt auf seine eigene Art
zu erfahren.
Die Vertreterin der Pädagogischen Hochschule Wien, Elisabeth
Dirnweber, beschreibt in ihrem Beitrag das Lernen mit Behinderten. Ausgehend
von einem Anforderungsprofil für Lehrerinnen und Lehrer, die in
Integrationsklassen eingesetzt werden wollen, erläutert die Autorin
nachvollziehbar verschiedene Kriterien, die der Umgang mit Heterogenität in
dieser Ausprägung erfordert. Zwei der wichtigsten Eigenschaften, die die
Lehrerinnen und Lehrer mitbringen sollten, seien - neben Empathie, Toleranz und
Humor - Geduld und Durchhaltevermögen im Umgang mit den Schülerinnen und Schülern
(vgl. DVD zu diesem Projekt). Dazu gehöre außerdem ein gelassenes Zugehen auf
die Schülerinnen und Schüler ohne Mitleid. Eine entsprechende Ausbildung für
diesen Unterricht erhalten die Kolleginnen und Kollegen überwiegend nur in
schulinternen Seminaren. Trotz der schwierigen Voraussetzungen würde sich die
Mehrzahl der in Behindertenklassen unterrichtenden Kolleginnen und Kollegen
immer wieder für den Unterricht mit diesen Schülerinnen und Schülern
entscheiden, weil die Arbeit erfüllender sei.
Die Vielzahl der theoretischen Überlegungen, vor allem aber
auch die zahlreichen wertvollen TIPPs, die in den verschiedenen Textbeiträgen
vorgestellt werden, lassen darüber nachdenken, ob nicht als Folge eine Hitliste
aufgestellt werden könnte oder sogar müsste, in der die zahlreichen TIPPs
aufgelistet sind. Allerdings würden sie dadurch ihrem textuellen Umfeld
entzogen; das Verständnis und die Nachvollziehbarkeit würden erschwert. Genau
aus diesem Grund haben sich die Herausgeber gegen eine Auflistung der wichtigsten
TIPPs im Anhang entschieden.
Den zentralen Schwerpunkt des vorliegenden Handbuches, das
unbedingt in Verbindung mit der fertig gestellten DVD dieses EU Projektes
gelesen werden sollte, bilden Empfehlungen für eine optimierte Klassenführung
vor allem in Bezug auf den Umgang mit Heterogenität, individuelle Förderung,
auch durch die Entwicklung diagnostischer Kompetenzen für den Lehrer/ die
Lehrerin, Schulung von Wahrnehmung und interaktiven Vorgehensweisen, den
Bereich von Gruppenführung sowie Schulung der Selbst-Reflexion und durch das
Anlegen von Portfolios wie Videografien. Zielgruppen sind einerseits Lehrerinnen
und Lehrer und Studierende, die sich in der Phase des Übergangs zwischen
Grundbildung und Berufseinstieg befinden, wie auch Lehrerinnen und Lehrer, die ihren
Beruf schon über eine längere Phase ausüben. Andererseits sind alle Gruppen
angesprochen, die mit der Lehrer-aus- und -fortbildung (Universitätsdozenten,
Seminarausbilder, Mentoren) befasst sind.
Die Herausgeber meinen, mit diesem Handbuch zahlreiche
Anregungen zur Verbesserung der Lehreraus-, fort- und -weiterbildung gegeben zu haben, und erhoffen sich zu
den vorgestellten Themen gleichzeitig weiterführende Diskussionen mit Studierenden,
Lehrern, Mentoren und Lehrerausbildern in Schule, Seminar und Universität.
Allen Projektpartnern, die sich mit ihren vielfältigen Ideen
an diesem Handbuch und darüber hinaus an der umfangreichen Projektarbeit beteiligt
haben, und allen anderen am Projekt beteiligten Mitarbeitern wie Studierenden, Lehrern,
Dozenten, Seminarausbildern und Mentoren gilt unser herzlicher Dank.
1. Einleitung - DE.pdf