Diagnostische Kompetenzen
Diagnose von Schülerpersönlichkeiten
Lea Solty und Claas Wegner, Universität Bielefeld

Thema des Kapitels
Im
Klassenraum trifft der Lehrer nicht nur auf bis zu 30 verschiedene Kinder,
sondern er hat es auch mit ganz verschiedenen Persönlichkeiten zu tun, die sich
alle durch ihr individuelles Muster auszeichnen. Der Begriff
Schülerpersönlichkeit meint in diesem Sinne nicht nur das Individuum selbst,
sondern das Wechselspiel zwischen den Schulfaktoren und der
Persönlichkeitsentwicklung, welche maßgeblich in der Adoleszenz stattfindet.
Der Schule kommt in diesem Sinne die Rolle einer Sozialisationsinstanz zu,
ebenso wie das Erziehungsverhalten der Lehrer Einfluss auf die Entwicklung
eines Kindes nehmen kann. Um diese Persönlichkeitsentfaltung bestmöglich zu
fördern, ist es ratsam, einige dieser charakteristischen
Schülerpersönlichkeiten erkennen zu können, welche man fast in jeder Klasse
findet. Es wird sich zeigen, dass eine klare Abgrenzung relativ selten möglich
ist. Dennoch ist es wichtig, sich als Lehrkraft für einige typische
Schülerpersönlichkeiten zu sensibilisieren, um sie richtig diagnostizieren zu
können und im extremsten Fall daraus potenzielle Hilferufe angemessen deuten zu
können. An dieser Stelle soll noch einmal hervorgehoben werden, dass man es in
einer Klasse neben den auffälligen Schülertypen natürlich auch immer mit einer
Vielzahl an „normalen" Schülern zu tun hat, welche relativ problemlos und
regelkonform die Schule durchlaufen. In diesem Aufsatz soll es daher
exemplarisch eher um die klassischen und auffälligen Schülertypen gehen, welche
häufig für einen gewissen Störungsfaktor in einer Klasse sorgen und daher
einige Grundkenntnisse und besonderer Betreuung der Lehrkräfte bedürfen.
1.1.1. Aufmerksamkeitsdefizit-/
Hyperaktivitätsstörung (ADS/ADHS)
Zielsetzung:
Eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung oder auch Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
zählt zu der Form der psychischen Störungen. Sie tritt meist bei Kindern und
Jugendlichen auf und zeichnet sich durch Probleme in der Aufmerksamkeit,
Impulsivität und Hyperaktivität aus.
Nach
heutigem Forschungsstand entwickelt sich eine solche Störung auf Grund
neurobiologischer Veränderungen der Funktionsweise des Gehirns, vermutlich im
Bereich des Frontlappens, bei der erbliche Faktoren eine wesentliche Rolle
spielen. Die Bedingungen, unter denen das Kind groß wird, beeinflussen
maßgeblich die Stärke der Ausprägung und den Verlauf der
Aufmerksamkeitsstörung. Man unterscheidet zwei Arten der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung;
zum einen den vorwiegend unaufmerksamen Typ, welcher sich durch eine sehr
geringe Aufmerksamkeitsspanne auszeichnet, und den hyperaktiv impulsiven Typ,
der durch starke Unruhe und Umherrennen auffällt. Kinder des ersten benannten
Typus zeichnen sich durch eine stillere, in sich gekehrte Verhaltensweise aus.
Sie können schwer zuhören, sie bringen selten Aufgaben zu Ende und lassen sich
leicht ablenken. Dem gegenüber fallen Kinder des zweiten Typus schneller durch
ihre Art und Weise auf. Sie wirken „getrieben" und stehen zum Beispiel während
des Unterrichts häufiger von ihren Plätzen auf, sie reden viel, stören den
Unterricht und haben Schwierigkeiten sich an Regeln zu halten.
„Um von einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
ausgehen zu können, müssen die genannten Symptome bereits vor dem siebten
Lebensjahr aufgetreten sein, seit mindestens einem halben Jahr bestehen und zu
ernsthaften Beeinträchtigungen in der Familie, in der Schule oder im Kontakt
mit anderen Kinder führen"[1].
Neben den zuvor aufgezählten Erkennungsmerkmalen sind auch noch andere
Schwierigkeiten im Leben von hyperaktiven Kindern zu erkennen. Es können Lern-
und Leistungsstörungen auftreten, da das Kind im Unterricht durch sein
unruhiges, unaufmerksames Verhalten auffällt; erleben die Lehrer und Mitschüler
den Betroffenen als störend und so können diese Kinder leicht in die Rolle des
Außenseiters geraten.
Es ist
riskant, sogleich auf eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung bei einem Kind zu
schließen, nur weil es besonders unruhig ist und nicht gut zuhören kann.
Allgemeine Zählungen gehen davon aus, dass ca. 3-5% aller Grundschulkinder von
einer Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung betroffen sind (Jungen
hierbei häufiger als Mädchen). Viele Eltern vermuten schnell, wenn sie ihr Kind
als hyperaktiv wahrnehmen, es läge eine Hochbegabung beim Kind vor. Diese
Rückschlüsse zu ziehen, ist jedoch verkehrt. Tatsächlich zeichnen sich diese
Kinder aber durch eine durchschnittliche Begabung aus, und die wahrgenommenen
Zeichen sind bereits Erkennungsmerkmale einer Aufmerksamkeitsstörung.
Hochbegabte Kinder zeigen zwar zuweilen im Unterricht Anzeichen von Langeweile
und sind sehr unruhig, aber diese Unruhe bewegt sich noch in einem normalen
Rahmen und ist noch kein Anzeichen einer Störung.
Aspekte der Umsetzung/ Methodischer Schwerpunkt:
Die Lehrkraft sollte für die Thematik der
Aufmerksamkeitsdefizitstörung sensibilisiert sein, damit sie weiß, wie sie mit
einem solchen Schüler in ihrer Klasse umgehen sollte. Sie kann durch eine angemessene
Intervention im Unterricht den Verlauf der Störung positiv beeinflussen und das
Problemverhalten des Kindes (Störungen, etc.) vermindern.
TIPPs für die Lehrerin, den Lehrer zur Diagnose von
ADS/ADHS- Schülern:
- Behalten Sie stets den Überblick über die Klasse, so dass Sie Störungen des hyperaktiven Kindes rasch wahrnehmen können
- Setzten Sie ein solches Kind mit einem ruhigen Mitschüler an einen Tisch, damit sich das störende Verhalten nicht noch aufschaukeln kann
- Erwünschtes, positives Verhalten des Kindes sollte deutlich gelobt werden
- Falls Störungen auftreten, sollten diese, wenn möglich, nicht beachtet werden, da ein Tadel zu einer Verstärkung des Störverhaltens führen könnte
- Damit es gar nicht erst zu potentiellen Störsituationen kommen kann, sollte der Unterricht abwechselungsreich gestaltet sein, d.h. kleine Bewegungsspiele einbauen, welche Entlastung für das Kind bedeuten
Zeitbedarf:
Alle oben genannten TIPPs können kurzfristig eingesetzt
werden und bedürfen keiner weiteren Schulung.
Materialien:
Keine Besonderheiten, evtl. kleine Sportspiele für die
Bewegungseinheiten. Jedoch keine Gegenstände, die das hyperaktive Kind ablenken
könnten.
Sonstige Hinweise:
Geduld mit sich selber haben
1.1.2.
Der Außenseiter
Zielsetzung:
Schulische Außenseiter gelten in der
Regel als Kinder, die von den anderen Klassen-mitgliedern keine Beachtung
erfahren oder von Ihnen sogar abgelehnt werden. Man unterscheidet zwischen dem
„passiven" Außenseiter, dessen Anwesenheit nur sporadisch von den Mitschülern
wahrgenommen wird, und dem „aktiven" Außenseiter, der in die Rolle des
schwarzen Schafs in der Klasse gedrängt wird. Solche Schüler werden im
Vergleich zu anderen vielfach definiert als Kinder, die zu emotionalen
Störungen neigen. Sie zeichnen sich durch ein ängstliches regressives Verhalten
aus, neigen in einem starken Maße zu Aggressionen und sind häufig Schulversager
und Repetenten.
Bei einem möglichen Außenseiter ist darauf zu achten, ob es
sich um einen Einzelgänger handelt, welcher kaum Kontakte zu anderen hat und
sich somit in seine eigene kleine Welt zurückzieht. In diesen Fällen besteht
die Gefahr, dass solche schizoiden Jugendlichen den Bezug zur Realität
verlieren und in ihrer Scheinwelt leben, in der sie ähnlich den kindlichen
Autisten ihr Spezialgebiet haben, indem sie überdurchschnittliche Leistungen
erzielen. Für andere Themengebiete können sie sich jedoch nicht begeistern.
Eine solche Kontaktstörung, wie sie beim Außenseiter vorliegt, kann aber auch
in negativen Erfahrungen aus der Vergangenheit begründet sein, die das Kind
resignieren lassen und zu einem immer weitergehenden Rückzug führen. Dieses
subjektive Leiden des Schülers ist von außen äußerst schwierig zu erkennen.
Die Position des isolierten Kindes kann die Entwicklung von
Verhaltensweisen hemmen, die eine Integration in die Gruppe ermöglichen würde.
Der Ausschluss an der Interaktion in der Klasse bewirkt, dass die betroffenen
Kinder erfolgreiches Rollenhandeln nur unter erschwerten Bedingungen erlernen
und somit Schwierigkeiten haben, Freundschaften zu schließen. Diesen Kindern
fehlt es an sozialer Rückmeldung zur Bestätigung ihres Selbstbildes. Die
Existenz sozialer Außenseiter beinhaltet nicht nur, dass es eine Reihe von
Kindern gibt, die unzufrieden sind und ständig das Gefühl persönlicher
Minderwertigkeit ertragen müssen, sondern auch den Tatbestand, dass in
Schulklassen eine Bereitschaft zur latenten Diskriminierung existiert.
Aspekte der Umsetzung/ Methodischer Schwerpunkt:
Die
Lehrkraft sollte frühzeitig mögliche Außenseiter in der Lerngruppe erkennen
können und vorsichtig den Ursachen auf den Grund gehen. Dabei ist darauf zu
achten, dass das Kind nicht bloß gestellt wird, sondern man in Ruhe das
Gespräch sucht oder aber versucht die Klasse selbst zu aktivieren, den
betroffenen Schüler wieder in ihrer Mitte aufzunehmen.
TIPPs für die Lehrerin, den Lehrer zur Diagnose eines
Außenseiters:
- Suchen Sie Kontakt zum isolierten Schüler, um ihn zu ermutigen, einen Schritt auf die Gruppe zuzugehen, und ihn in seiner Selbstwahrnehmung positiv zu bestärken
- Versuchen Sie die Gruppe selbst zu aktivieren, dass sie eigenständig Bemühungen anstrebt, um den Außenseiter zu integrieren
- Nutzen Sie die Sozialform der Partnerarbeit im Unterricht, bei dem der Außenseiter mit geeigneten Partnern aus dem Klassenverbund gemeinsam eine Aufgabenstellung löst und auf diesem Wege den sozialen Kontakt zu seinen Mitmenschen intensiviert
- Falls bei dem betreffenden Schüler die Rolle des Außenseiters zu stark manifestiert ist, versuchen Sie im Elterngespräch die Interessen des Kindes zu erforschen und ihn somit zu ermutigen in seiner Freizeit mit kontaktknüpfenden Aktivitäten zu beginnen (Eintritt in einen Sportverein, Teilnahme an Schul-AGs)
Zeitbedarf:
Nehmen Sie sich Zeit, um den Außenseiter zu verstehen und
die Klasse zu aktivieren, sich um seine Integration zu bemühen.
Materialien:
- in der Regel keine -
Sonstige Hinweise:
Haben Sie Geduld, je nach Lerngruppe braucht eine gelungene
Integration in die Klasse seine Zeit.
1.1.3. Der Klassenclown

Zielsetzung:
Als Klassenclown wird ein Schüler bezeichnet, der sich durch
sein auffallendes spaßhaftes Verhalten auszeichnet, mit dem er Lachen und somit
die Aufmerksamkeit der Klasse auf sich ziehen möchte. Für die Lehrkraft ist es
häufig schwierig, ein solches Kind auf Grund seiner Leistung einzuschätzen. Die
Klassengemeinschaft reagiert recht unterschiedlich auf einen Mitschüler mit
derartigen Verhaltensweisen, zum einen kann ein solches Kind Bewunderung ernten
für den Mut, mit dem es manche Späße durchführt, zum anderen kann es aber auch
von der Klasse abgelehnt werden und in eine Außenseiterposition gedrängt
werden. Ein Kind, welches sich so verhält, leidet in der Regel an erheblichen
Minderwertigkeitsgefühlen und einer Selbstwertunsicherheit. Mit ihrem auffälligen
Verhalten versuchen sie Kontakt zu suchen und auf diese Weise Beachtung zu
finden. Die Ursachen für ein solches Verhalten sind äußerst vielfältig. Es kann
der Fall sein, dass dieses Kind mit den Schulleistungen überfordert ist und
somit durch die eigene Leistungsfähigkeit keine Aufmerksamkeit bei den
Mitschülern und seinen Lehrern erreichen kann. Dies wird durch das clownhafte
Agieren kompensiert. Es kann aber auch der gegenteilige Fall vorliegen, dass
das Kind unterfordert ist, da es bereits den Lernstoff viel schneller erfasst
hat als die Klasse selbst. Somit versucht es sich durch dies spaßhafte
Verhalten anderweitig zu beschäftigen. Derartige Verhaltensweisen des Kindes
müssen aber nicht unbedingt auf dessen Leistungsdisposition zurückzuführen sein,
vielmehr können auch psychische Faktoren eine immense Rolle im Leben des
Schülers spielen. Es kann sein, dass sich das Kind vernachlässigt fühlt, wenn
es beispielsweise mit einer Stillarbeitsphase beginnen soll, in der ihm nicht
die Zuwendung der Lehrkraft sicher ist. Daher versucht er, sich diese auf
andere Weise zu sichern, wie etwa dem Störverhalten. Oder aber der Klassenclown
versucht durch sein auffälliges Verhalten wie etwa dem Grimassenschneiden eine
an ihn gestellte Aufgabe zu umgehen.
Aspekte der Umsetzung/ Methodischer Schwerpunkt:
Gerade
in einem solchen Fall, in dem die Verhaltensweisen eines Schülers für
vielfältigste Probleme sprechen könnten, ist es ratsam, den auslösenden
Ursachenkomplex genauestens zu analysieren. Daher sollte man als Lehrkraft
zunächst das Gespräch mit dem Schüler selbst und dann mit seinen Eltern suchen,
um die Gründe seines Verhaltens zu erschließen. Des Weiteren kann es
empfehlenswert sein eine weitere beratende Instanz wie etwa den schul-internen
Beratungslehrer mit einzubeziehen bevor in einem weiteren Schritt dann ein
Schulpsychologen oder aber ein Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten
eingeschaltet wird.
TIPPs für die Lehrerin, den Lehrer zur Diagnose eines
Klassenclowns:
- Reagieren Sie möglichst mit Humor auf die Störung und stellen Sie niemals den Schüler vor der Klasse bloß
- Auf das direkte Störverhalten des Kindes sollten Sie immer mit Bedacht reagieren, da der Schüler über dieses Verhalten versucht, Ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen und auf sich zu lenken
- Loben Sie den Schüler für seine erbrachten Leistungen. Dies hilft sein Selbstwertgefühl zu steigern, so dass Störmomente erst gar nicht hervor beschworen werden können.
- Setzen Sie gezielt Gruppenarbeit ein, um ihm im Lernprozess Erfolgserlebnisse zu bescheren. Dies kann durchaus hilfreich sein, um bestehende Lerndefizite zu beheben, da so die Schüler sich gegenseitig Sachverhalte näher bringen können.
- Falls die Verhaltensweisen auf eine Überforderung des Schülers mit den Lerninhalten schließen lassen, sollten Sie dem Schüler die Teilnahme an einem Förderunterricht im jeweiligen Fach ermöglichen.
- Je nach Alter des störenden Kindes ist es auch denkbar, dass Sie an den Unterricht anschließend ein Gespräch führen, um den Ursachen des Störverhaltens auf den Grund gehen zu können.
Zeitbedarf:
Nur die Unterrichtsvorbereitung und die Bereitstellung von
Gruppenarbeitsmaterialien.
Materialien:
- in der Regel keine -
Sonstige Hinweise:
Schenken Sie dem Klassenclown nicht zu viel Beachtung!
1.1.4. Der Klassenliebling (Star)
Zielsetzung:
Bei dem Klassenliebling handelt es sich meist um einen
Schüler, welcher über eine große Zahl von Kommunikationspartnern in der
Klasse/der Gruppe verfügt. Ihm wird von vielen Gruppenmitgliedern Sympathie und
soziale Anerkennung entgegen gebracht. Diese Schüler verfügen über eine
besondere Fähigkeit, sich an ihre Gruppe und an relevante Bezugspersonen
anzupassen. Der Klassenliebling gilt als besonders kontaktfreudig und ist in
der Lage gut auf sein Gegenüber einzugehen. Dies führt häufig bei diesen
Kindern zu einem starken Selbstvertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten, so dass
sie bessere Schulleistungen erzielen. Jedoch kann seine soziale Stellung den
Klassenliebling auch stark unter Druck setzen, da er sein hohes Selbstvertrauen
nur mit der Anerkennung der Mitschüler aufrechterhalten kann. Auf Grund der
zentralen Stellung in der Klasse erhält er vielfach mehr Informationen und
erhöht so seine soziale Kompetenz innerhalb der Gruppe. Dies hat zur Folge,
dass ihm die Möglichkeit eröffnet wird, Interaktionen einzuleiten, um somit
seine Position zu festigen. Daraus kann es sich ergeben, dass seine Mitschüler
von ihm das Recht einfordern, soziale Kontrolle auszuüben und die Normen der
Gruppe in bestimmten Situationen zu interpretieren. Der Klassenliebling kann
dann innerhalb seiner Rolle in Bedrängnis geraten, wenn er sich zu sehr bemüht,
sich von Anderen abzusetzen, um so seine zentrale Stellung im Netzwerk der
Klasse zu erhalten. Die Verringerung von Kontakten des Stars und somit die automatische
Isolation von der Gruppe kann dann eintreten, wenn er sich nur auf wenige
Schüler konzentriert, um seine Position zu festigen.
Aspekte der Umsetzung/ Methodischer Schwerpunkt:
Im Sinne eines gesunden Klassenklimas kann man die soziale
Stellung des Klassenlieblings dafür nutzen, um andere Schüler in der Klasse zu
integrieren.
TIPPs für die Lehrerin, den Lehrer zur Diagnose des
Klassenlieblings:
·
Bestärken
Sie die Stellung des Stars nicht zusätzlich
·
Achten
Sie darauf, dass der betreffende Schüler seine Rolle nicht ausnutzt
·
Falls
dies dennoch passieren sollte, führen Sie dem Schüler sein unangemessenes
Verhalten deutlich vor Augen
Zeitbedarf:
Alle oben genannten TIPPs können kurzfristig eingesetzt
werden und bedürfen keiner weiteren Schulung.
Materialien:
- in der Regel keine -
Sonstige Hinweise:
Bestärken Sie die Klassenlieblingsposition nicht.
1.1.5. Lese- Rechtschreibschwäche
(LRS, Legasthenie)
Zielsetzung:
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Lese- Rechtschreibstörung
in ihren Krankheitskatalog im Jahre 1991 aufgenommen und erläutert die
Legasthenie dort in dem Kapitel „Der umschriebene Entwicklungsstörungen
schulischer Fertigkeiten". Prof. Dr. A. Warnke führt folgenden
Definitionsansatz an „Die Legasthenie ist eine umschriebene und schwerwiegende
Beeinträchtigung des Erlernens von Lesen und Rechtschreibung, die in Besonderheiten
von Hirnfunktionen begründet ist. Diese in allen Schriftsprachen vorkommende
Teilleistungsstörung ist veranlagt und nicht die Folge von unzureichender
Beschulung, einer Intelligenzminderung oder anderen körperlichen,
neurologischen oder psychischen Erkrankungen"[2].
In der Klassifikation der WHO wird vertiefend ergänzt, dass mit den Lesestörungen
häufig auch Rechtschreibschwierigkeiten einhergehen, welche bis in die
Adoleszenz persistent bleiben. Während sich mit zunehmendem Alter die
Lesefähigkeit etwas verbessert, weisen die Betroffenen im Bereich der
Rechtschreibung größere Defizite auf. Psychologen warnen jedoch davor,
vorschnell die Legasthenie mit einer Lese- Rechtschreib-Schwäche
gleichzusetzen. Wie bereits von der WHO angeführt, handelt es sich bei der
Legasthenie um eine Teilleistungsstörung des Gehirns, welche u.a. in einer LRS
zum Ausdruck kommen kann und bei der sich nur sehr bedingt durch Übungssequenzen
Verbesserungen einstellen werden. Bei einer reinen Lese- Rechtschreibschwäche
hingegen kann die bestehende Lernblockade durch regelmäßiges Üben minimiert
werden.
Aspekte der Umsetzung/ Methodischer Schwerpunkt:
Um den Lernprozess seiner Schüler bestmöglich zu fördern,
ist es ratsam, sich das individuelle Lernverhalten seiner Schüler bewusst zu
machen, so dass man möglichst schnell auf erste Anzeichen einer Lernstörung
seitens einzelner Schüler eingehen kann. Da gerade legasthene Signale erst mit
Eintritt der Kinder in die Schule sichtbar werden, sollten die Lehrkräfte für
diese Teilleistungsstörung sensibilisiert werden, damit eine frühzeitige
Diagnostik den Lernvorgang der betroffenen Kinder zu Gute kommen kann.
Erste Anzeichen für eine Legasthenie äußern sich meist auf
drei Lernbereichsebenen - mit Problemen in Bereich des Lesens, des Schreibens
und des Rechnens. Eine unzureichende Lesefähigkeit wird anfangs erkennbar durch
mühseliges Lesen des Schülers, dass sich im häufigen Durcheinanderbringen der
Buchstaben manifestiert und somit den Schüler im Leseprozess rasch ermüden
lässt, so dass er eine Unlust gegen das laute Vorlesen entwickelt.
Ferner zeigen diese Kinder Auffälligkeiten im Schreiben, die
sich etwa in einer fehlerhaften schriftlichen Darstellung der Laute widerspiegeln.
Des Weiteren ist ein Unvermögen in der Unterscheidung von ähnlich klingenden
Lauten und eine falsche Rechtschreibung festzustellen. Im Bereich des Rechnens
fallen diese Kinder dadurch auf, dass sie eher raten als zu rechnen. Außerdem
vertauschen Legastheniker die Reihenfolge der Zahlen oder schreiben Zahlen
seitenverkehrt.
Weiterhin ergeben sich einige markante Veränderungen im
Verhalten von legasthenen Kindern: Besonders auffällig ist dabei die
verringerte Aufmerksamkeitsspanne beim Lesen, Schreiben oder Rechnen, während
sich die Kinder bei ihren Lieblingsfächern besser und lang andauernder
konzentrieren können. So kommt es dazu, dass der legasthene Schüler eher den Unterricht stört oder sich gar
ganz der aktiven Teilnahme am Unterrichtsgeschehen entzieht. Dies kann künftig
dazu führen, dass er sich sehr zurückzieht und sich sein Selbstvertrauen enorm
verringert. Entgegengesetzt dem beschriebenen Fall kann der Legastheniker seine
Unsicherheit jedoch auch dadurch kompensiert, indem er den Klassenclown mimt.
TIPPs für die Lehrerin, den Lehrer zum Umgang mit LRS- Schülern:
- Kinder mit Lernstörungen, brauchen das Gefühl, dass man ihnen Geduld und Verständnis entgegenbringt
- Heben Sie die Stärken des Kindes hervor und loben Sie bereits kleine Leistungen
- Da die Aufmerksamkeitsspanne von Legasthenikern häufig sehr gering ist, setzen Sie sie nicht unter Zeitdruck, sondern helfen Sie ihnen ihre Gedanken zu ordnen
- Kritisieren Sie die zeitweilige Unaufmerksamkeit nicht, sondern überbrücken Sie diese durch kleine Pausen bzw. lockern Sie die Pausen mit kurzen Bewegungssequenzen auf, um so die Aufmerksamkeit neu zu aktivieren
- Setzen Sie ein solches Kind nahe zu sich, so dass Sie Störungen schnell bemerken können
- Machen Sie sich bewusst, dass legasthene Kinder langsamer lernen als nicht-legasthene Kinder
- Planen sie daher mehr Zeit für Lernsequenzen ein
- Um den Schwierigkeiten im Bereich der Schriftlichkeit entgegen zu wirken, prüfen Sie diese Kinder mündlich
Zeitbedarf:
Die TIPPs sind kurzfristig einsetzbar, jedoch sollte für die
einzelnen Lernsequenzen ausreichend Zeit eingeplant werden.
Materialien:
- in der Regel keine -
Sonstige Hinweise:
Haben Sie Verständnis für die Situation des Kindes.
1.1.6. Der Streber
Zielsetzung:
Ein Schüler, der von seinen Mitschülern als Streber
bezeichnet wird, zeichnet sich meist durch äußerst gute Noten in fast allen
Schulfächern aus. Einen solchen Schülercharakter gibt es fast in jeder Klasse.
Dabei ist es verwunderlich, dass dieses Verhalten als abweichend bewertet wird.
Einige Lehrer freuen sich, wenn sie einen solchen Schülertypen in ihrer Klasse
haben, so ist immerhin die Beteiligung einer Person ihnen in ihrem Unterricht
sicher. Allerdings wird ein solches Leistungsvermögen eines Schülers meist von
seinen Mitschülern als abweichendes Verhalten gewertet und eher negativ
gesehen. Die Integration des Strebers in die Klassengemeinschaft hängt ganz
damit zusammen, wie der Schüler mit seinem eigenen Leistungsstand umgeht.
Prahlt er wohlmöglich noch mit seinen über-durchschnittlich guten Leistungen
vor seinen Mitschüler, so setzt ihn das noch mehr von ihnen ab und somit macht
er sich bei ihnen unbeliebt. Der Streber muss jedoch nicht gleich isoliert von
der Klassengemeinschaft sein, wenn ein gutes Klassenklima herrscht, indem
beispielsweise die guten Schüler den nicht so guten Schülern helfen, ihre
Lerndefizite zu überwinden, kann er bei seinen Mitschülern sehr beliebt sein.
Verwunderlich ist jedoch, dass Schüler, die nur in einem Fach sich durch
besondere Leistungen auszeichnen (etwa Sport), meist von den Mitschülern
bewundert werden, wohingegen Schüler mit einem großen Wissensspektrum eher
abgelehnt werden.
Aspekte der Umsetzung/ Methodischer Schwerpunkt:
Ein Schüler mit einem großen Allgemeinwissen bzw. mit
besonderen Lernfähigkeiten in seiner Klasse zu haben, kann für die Mitschüler
eine große Bereicherung sein, insbesondere dann, wenn dieser Schüler die
Anderen an seinem Wissen teilhaben lässt.
TIPPs für die Lehrerin, den Lehrer zum Umgang mit einem
Streber:
- Nutzen Sie die Stärken des Strebers sinnvoll, indem Sie ihn bitten, den schwächeren Schülern in der Klasse unterstützend zur Seite zu stehen
- Achten Sie darauf, dass das Strebertum nicht zu sehr ausufert
- In einem solchen Fall sollten Sie ein klärendes Zweiergespräch mit dem betreffenden Schüler führen und ihm die Situation bewusst machen
Zeitbedarf:
Alle oben genannten TIPPs können kurzfristig eingesetzt
werden und bedürfen keiner weiteren Schulung.
Materialien:
- in der Regel keine -
Sonstige Hinweise:
Geben Sie darauf Acht, dass sie sich im Unterrichtsgeschehen
nicht nur auf die Leistung des Strebers beziehen.
1.1.7. Der (hoch-)begabte Schüler

Zielsetzung:
Ein Schüler, der nicht nach seinem individuellen Leistungsvermögen
in der Schule gefördert wird, neigt leicht dazu, im Unterricht abzuschalten und
sich gar nicht mehr am Unterrichtsgeschehen zu beteiligen. Eine derartige
Unterforderung kann ein mögliches Indiz für eine besondere Begabung
(Hochbegabung) des Kindes sein, die bislang nicht entdeckt wurde. Die
Unterforderung äußert sich im Unterricht durch bestimmte Verhaltensweisen, wie
dem genannten Abschalten vom Unterricht mit eher passiver Beteiligung. Die
Gefahr bei einem solchen Handeln des Schülers liegt in der Nichtaneignung von
wichtigen Lern- und Arbeitstechniken, die ihm in seiner weiteren Schullaufbahn
fehlen werden und somit später ggf. zu schulischen Versagen führen können. Des
Weiteren kann sich eine Unterforderung des Schülers in vielfachen Störaktivitäten
manifestieren, welche im schlimmsten Fall dazu führen, dass die gesamte Klasse
nicht mehr dem Unterricht folgt. In einer derartigen Situation ist die
Lehrkraft besonders gefragt disziplinierend einzugreifen. Dem Gegenüber steht
der angepasste Schüler, der sein Leistungsvermögen verbirgt und seine
Fähigkeiten nicht zeigt. Häufig tritt ein solches Verhalten bei Mädchen auf,
die sich dem sozialen Druck der Klasse beugen und nicht als „Streber"
denunziert werden wollen. Die besten Chancen der Erkennung seiner potenziellen
Begabung liefert der vierte und letzte Schülertypus, der Ignorant. Dieser zeigt
demonstrativ seine Leistungsfähigkeit und kümmert sich nicht darum, was seine
übrigen Mitschüler davon halten. Somit riskiert er, je nach Klassengefüge, eine
soziale Isolation in der Klasse.
Aspekte der Umsetzung/ Methodischer Schwerpunkt:
Ein begabter Schüler weist, verglichen mit seinen
Altersgenossen, große kognitive Fähigkeiten auf, die jedoch nicht immer im
Unterrichtsgeschehen deutlich werden müssen. Aus diesem Grund ist die Erkennung
bzw. richtige Einschätzung des Leistungspotenzials der Schüler eine wichtige
Aufgabe der Lehrkraft.
Einige Anzeichen, die für eine potenzielle Begabung des
Schülers sprechen, sind zum einen im Bereich des Lernens und Denkens ein sehr
hohes Detailwissen in einzelnen Bereichen, ein außergewöhnlich großer
Wortschatz für die Altersstufe des Kindes, die Fähigkeit des Durchschauens von
Ursachen-Wirkungs-Beziehungen sowie eine gute Beobachtungsgabe. Im Bezug auf
die Interessen und die Arbeitshaltung dieser Kinder fällt auf, dass sie häufig
recht perfektionistisch veranlagt sind, so dass sie sich relativ hohe
Leistungsziele setzen und sehr selbstkritisch diese bewerten. Begabte Kinder
sind vielfach bemüht, Aufgaben stets vollständig zu lösen, bei Routineaufgaben
sind sie leicht gelangweilt und sie zeigen großes Interesse an
Erwachsenenthemen, wie etwa Religion, Philosophie und Politik. In ihrem
Sozialverhalten zeichnen sich diese Kinder häufig durch ein großes
Verantwortungsbewusstsein aus, hinzukommt, dass sie sehr empathiefähig sind.
Sie sind eher individualistisch veranlagt und knüpfen vielfach Freundschaften
mit Gleichbefähigten und nicht Gleichaltrigen.
Die dargestellte Tabelle in Abbildung 1 zeigt deutlich die
Diskrepanzen, die zwischen dem Lern- und Arbeitsverhalten der begabten Schüler
und dem Schulangebot im Unterricht bestehen. Diese Widersprüchlichkeiten machen
sehr gut deutlich, dass eine Erkennung des Leistungspotenzials eines jeden
Schülers wichtig ist, um ihn effektiv fördern zu können. Da die Schule nicht in
vollem Maße allen Punkten gerecht werden kann, schlägt diese Aufzählung nun
eine Brücke zu den Fördermaßnahmen, die sich für diese Kinder ergreifen lassen.
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Eigenschaften und Fähigkeiten begabter Schüler |
Merkmale des üblichen Schulunterrichts |
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Abb.1: Ausgewählte Eigenschaften und Fähigkeiten
Hochbegabter sowie Merkmale des üblichen Schulunterrichts in der Gegenüberstellung
(s. Wittmann, Holling)
TIPPs für die Lehrerin, den Lehrer zur Förderung (hoch-)
begabter Schüler:
- Es gibt eine Reihe an Fördermaßnahmen, wie Sie dem begabten Kind helfen können, sein Potenzial zu entfalten, und so zu einer gesunden geistigen und psychischen Entwicklung zu kommen.
- In diesem Bereich sind zwei große Förderungsansätze zu nennen:
- Die Akzeleration (= Beschleunigung): Ein beschleunigtes Durchlaufen der Schulzeit (Lerntempoerhöhung), welches etwa mit Hilfe einer früheren Einschulung oder dem Überspringen von Klassen erzielt werden kann.
- Das Enrichment (= Vertiefte Lernen). Dem Kind wird eine größere Menge an Lernstoff geboten, welches die Unterrichtsangebote somit ergänzt, ausweitet und vertieft. Das Kind wird absichtlich nicht in der Klasse höher gestuft, um es nicht aus seinem sozialen Gefüge zu entreißen.
- Ein Enrichment- Angebot kann in zweierlei Hinsicht umgesetzt werden.
- Über die innere Differenzierung: Sie sieht eine Förderung innerhalb des Klassenverbands vor, so dass das individuelle Lern- und Begabungsniveau des Kindes berücksichtigt wird.
- Die äußere Differenzierung hingegen baut auf eine Förderung außerhalb der Schule mit anderen Kooperationspartnern, wie etwa Universitätsprojekte, Arbeitsgemeinschaften, Schülerwettbewerbe und Schüleraustauschprogramme.
- Mittlerweile haben sich auch schon Mischformen aus beiden Förderansätzen entwickelt.
- Eine Veranschaulichung, wie vielfältig diese Fördermaßnahmen inzwischen geworden sind, zeigt die Tabelle 1 im Anhang dieses Aufsatzes.
Zeitbedarf:
Alle oben genannten TIPPs können kurzfristig eingesetzt
werden und bedürfen keiner weiteren Schulung.
Materialien:
- in der Regel keine -
Sonstige Hinweise:
Informieren
Sie sich ausführlich über mögliche Fördermaßnahmen und Einrichtungen in Ihrer
Region.
1.1.8. Der stille Schüler

Zielsetzung:
Eine Schulklasse setzt sich aus verschiedensten Charakteren
zusammen. Dabei gibt es neben den am Unterrichtsgeschehen sehr aktiv
beteiligten Schülern immer auch die etwas stilleren. Diese Zurückhaltung der
Kinder kann ganz unterschiedliche Ursachen haben, so etwa, dass manche Schüler
auf Grund ihrer Persönlichkeit eher still sind, andere leiden zeitweise unter
Konzentrations-/oder Motivationsschwierigkeiten, weisen ein vermindertes
Sprach-vermögen auf oder folgen dem Klassendruck mit der Einstellung, dass eine
aktive Beteiligung am Unterricht sehr "uncool" ist. Die Zurückhaltung
im Unterricht kann aber auch darin begründet sein, dass das Kind sich im
Unterricht langweilt, es unterfordert ist, da es den Lernstoff bereits
beherrscht und dies, im Gegensatz zum hochbegabten Kind, nicht immer zeigen
möchte. Weiterhin kann eine phasenweise Zurückhaltung des Kindes mit
persönlichen/ familiären Problemen zusammenhängen, welche insbesondere junge
Kinder stark belasten.
Aspekte
der Umsetzung/ Methodischer Schwerpunkt:
Gerade
in großen Klassen besteht die Gefahr, dass stille Kinder leicht übersehen
werden bzw. sie in der Menge untergehen, weil sie "wenig Arbeit
machen". Sie fallen nicht negativ auf und werden auch mal neben störende
Kinder gesetzt, um etwas Ruhe in die Gruppe hinein zu bekommen. Dass diese
Kinder oft leiden, bleibt fast unbemerkt. Aber gerade diesen Kindern sollte die
Möglichkeit gegeben werden, viel Zeit und Raum für sich zu haben. In Fächern,
in denen es auf gute mündliche Mitarbeit ankommt, beteiligen sie sich kaum. Sie
erleben sich als passive Teilnehmer des Lerngeschehens und häufig benachteiligt
bei der Notenvergabe. Selbst gute Klassenarbeiten können die Defizite in der
Mitarbeit oft nicht aus-gleichen.
TIPPs
für die Lehrerin, den Lehrer zum Umgang mit stillen Schülern:
- Setzen Sie gezielt Gruppen- oder Partnerarbeit ein, um dem stillen Schüler die Möglichkeit zu bieten, sich in einer kleinen Gemeinschaft einzubringen
- Ermutigen Sie den Schüler seine Meinung zu äußern und loben Sie ihn dafür
- Versuchen Sie auf eine humorvolle Art den Schüler zu erreichen, indem Sie betonen, dass Sie auch gerne einmal andere Schüler zu Wort kommen lassen wollen
- Setzen Sie Unterrichtsmethoden ein, in denen der gesamte Kurs sich laut äußern muss (Merksätze im Chor aufsagen, etc.). Dies kann bei einem stillen Schüler die Angst minimieren, sich in der Klasse zu äußern
- Wenn Sie den Eindruck haben, dass ein Schüler, der sonst aktiv teilnimmt, plötzlich sehr still im Unterricht geworden ist, sprechen Sie ihn selbst in einer stillen Minute an oder aber seine Eltern bei einem Elternsprechtag, um die möglichen Ursachen zu erfahren.
Zeitbedarf:
Alle oben
genannten TIPPs können kurzfristig eingesetzt werden und bedürfen keiner
weiteren Schulung.
Materialien:
- in der
Regel keine -
Sonstige
Hinweise:
Versuchen Sie möglichst allen Schülern in der Klasse ihre
Aufmerksamkeit zu schenken!
1.1.9. Der Underachiever
Zielsetzung:
Als Underachiever (Minderleister) werden Kinder bezeichnet,
die zwar als „intelligent" und „klug" gelten, ihr Begabungspotenzial in der
Schule jedoch nicht angemessen aktivieren können und so eher
unterdurchschnittliche Leistungen erbringen. Dieses Phänomen des
Underachievements wird erst in der weiterführenden Schule deutlich. Daher ist
es wichtig, dass die ersten Symptomatiken, die auftreten, von der Lehrkraft
richtig gedeutet werden können.
Erste Erkennungsmerkmale für mögliche Underachiever äußern
sich meist in drei verschiedenen Bereichen; auf der Leistungs-,
Persönlichkeits- und sozialen Ebene.
In Hinblick auf die Leistungsebene zeigt sich, dass diese
Kinder über hohe kognitive Fähigkeiten verfügen, wenn sie dies nicht
verweigern. Trotz der Leistungsdisposition liegen die schulischen Leistungen
dieser Kinder eher im unteren Bereich. Jedoch nie so schlecht, dass sie
versetzungsgefährdet sind. Es zeigen sich große Defizite im Lern- und Arbeitsverhalten von
Underachievern. Es fehlen ihnen wichtige Arbeitstechniken, um ihren Lernprozess
effektiv zu gestalten. Insgesamt weisen diese Kinder ein hohes Desinteresse in
Bezug auf schulische Aktivitäten auf. Dies spiegelt sich in ihrer geringen
Leistungsmotivation und ihrer Anstrengungsvermeidungshaltung wieder. Auf der
persönlichen Ebene zeigt ein solches Kind eine sehr geringe emotionale
Stabilität. Es fühlt sich schnell persönlich angegriffen und kann mit Kritik
schlecht umgehen. Underachiever haben oft ein mangelndes Selbstvertrauen in
sich selbst und ihre eigenen Leistungen. Im sozialen Bereich haben derartige
Kinder häufig Probleme in der Beziehung zu ihren Mitschülern, Lehrern und
teilweise auch Eltern. Dadurch können sie leicht zu Einzelgängern werden und
sich immer mehr zurückziehen. Schwierigkeiten im sozialen Bereich sind meist
eng verknüpft mit den geringen Selbstwertgefühl der Underachiever. Sie trauen
sich selbst nicht besonders viel zu und sind daher schnell der Überzeugung,
dass es den Anderen (Mitschülern, Lehrern) genauso geht. Weiterhin kann sich
ein Underachiever vom Klassen- und Unterrichts-geschehen zurückziehen, so dass
die Gefahr einer sozialen Isolation besteht. Ein gegenteiliges Verhalten liegt
vor, wenn das Kind die Klassenregeln missachtet und den Unterricht und seine
Mitschüler stört. Ein solches grenzüberschreitendes Verhalten legt das Kind
nicht nur in der Schule, sondern vielfach auch zu Hause an den Tag, so dass es
von Eltern und Lehrern als rebellisch charakterisiert wird.
Underachievement muss nicht mit allen, der hier angeführten
Erkennungsmerkmale einhergehen, allerdings kommt es meist zu einer Häufung der
Symptomatiken. Vielfach bleibt ein Underachiever-Schüler auch auf Grund von
psychosomatischen Störungen dem Unterricht fern.
Aspekte der Umsetzung/ Methodischer Schwerpunkt:
An dieser Stelle sollen Faktoren aufgelistet werden, welche
in Hinblick auf eine angemessene Förderung und Entwicklung des Kindes einem
Underachievement vorbeugen können. Wenn die Eltern nicht auf die
begabungsspezifischen Eigenarten ihres Kindes eingehen, ihm gar versuchen,
diese abzuerziehen, kann es sein, dass sich das Kind einfach unverstanden
fühlt. Vielfach wird der Begabungsbegriff auch von den Eltern falsch
aufgefasst, da er sie nicht von ihren Betreuungs- und Unterstützungsaufgaben
entbindet, sondern sie weiterhin fordert. Die besondere intellektuelle
Entwicklung des Kindes bedeutet nämlich nicht, dass sie auch auf emotionaler
Ebene weiterentwickelt sind, so dass sich das Kind leicht von der
Erwartungshaltung der Eltern überfordert fühlen kann. Eine schulische
Unterforderung und das Gefühl, sich der Norm anpassen zu müssen, kann bei
Kindern ebenfalls zu einem Underachievement führen. Sie fühlen sich vom Lehrer
häufig nicht genügend beachtet und gefördert und langweilen sich schnell, wenn
die Inhalte, die sie bereits erfasst haben, erneut wiederholt werden, so dass
sie sich mit anderen Aktivitäten versuchen zu beschäftigen, welche den
Unterricht stören. Kritische Lebensereignisse, wie etwa die Scheidung der
Eltern oder der Verlust einer wichtigen Bezugsperson, können dazu führen, dass
das Kind dies nur schwer verarbeiten kann. Bei mangelnder Unterstützung kann
das Selbstwertgefühl des Kindes darunter leiden, welches sich vielfach auch auf
die schulische Leistungsfähigkeit auswirkt. Ebenso der soziale Druck führt
gerade bei jungen Mädchen dazu, dass sie ihr wahres Leistungspotenzial
verbergen und sich der Masse anpassen („Melden ist uncool"), um von ihnen
akzeptiert zu werden. Für den Lehrer ist ein solches Verhalten häufig
schwierig, um die wahren Fähigkeiten des Kindes richtig einschätzen zu können.
Weiterhin fehlen diesen Kindern oft die notwendigen Lern- und Arbeitstechniken,
um ihren Lern-prozess effektiv gestalten zu können, so dass im Laufe der
Schuljahre ihre Leistungen immer schlechter zu werden drohen.
TIPPs für die Lehrerin, den Lehrer zur Diagnose eines
Underachievers:
- Am effektivsten kann potenziellen Underachievern dadurch geholfen werden, dass man sie zunächst auf der emotionalen Ebene fördert. „Das Ziel dieser Hilfen besteht darin, dass die Kinder mehr Wertschätzung für sich selbst entwickeln, sich wieder mehr zutrauen und lernen, ihrer Begabung entsprechend zu arbeiten"[3].
- Versuchen Sie die bestehenden Defizite im Lern- und Arbeitsverhalten des Kindes zu beheben, so dass dessen Lernprozess besser voranschreiten kann
- Sie können Fachpersonal in die Klasse einladen, welche auf die Schwächen der Kinder im strukturieren und koordinieren gezielt eingehen können
- Fördern Sie mit ergänzenden Anreizen und differenzierten Hausaufgaben seine Motivation
- Legen Sie Wert auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Elternhaus
- Tauschen Sie sich mit den Eltern über die Schwierigkeiten und Entwicklungen des Kindes aus und klären Sie, dass die Eltern die Lernfortschritte des Kindes zu Hause unterstützend begleiten und die Hausaufgaben des Kindes kontrollieren
- Bei schwerwiegenden Problemen sollten Sie den Eltern raten professionelle Hilfe aufsuchen, welche in Form einer Individualtherapie besonders auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen kann
Zeitbedarf:
Alle oben genannten TIPPs können kurzfristig eingesetzt
werden und bedürfen keiner weiteren Schulung, jedoch sollten Sie sich Zeit für
solche Schüler nehmen, um ihnen in Ruhe die verpassten Lerntechniken
beizubringen.
Materialien:
- in der Regel keine -
Sonstige Hinweise:
Versuchen Sie auf das Kind einzugehen, bestärken Sie es in
seinen Leistungen und versuchen guten Kontakt zum Elternhaus zu halten.
1.1.10.
Autismus-Spektrum-Störungen (Autismus und Asperger-Syndrom)
Zielsetzung:
Autismus wird von der Diagnostic and Statistical Manual
(DSM-IV) der American Psychatric Association seit 1994 definiert als
„tiefgreifende Entwicklungsstörung, die durch die Beeinträchtigung von
Kommunikation und sozialer Interaktion gekennzeichnet ist sowie durch
eingeschränkte, repetitive und stereotype Verhaltensmuster, Interessen und
Aktivitäten"[4]. Somit wird
Autismus als neurologische Entwicklungsstörung aufgefasst, welche Teile des
zentralen Nervensystems trifft und die Art und Weise beeinträchtigt, wie
verbale und nonverbale Informationen verarbeitet werden. Personen, bei denen
Autismus diagnostiziert wurde, haben daher Schwierigkeiten ihre Umwelt zu
verstehen. Aus diesem Grund wird Autismus auch als lebenslange Behinderung
verstanden, bei der bisher keine Heilung möglich ist. Dennoch zeigen Kinder und
Erwachsene mit Autismus in ihrer Entwicklung enorme Fortschritte und verbessern
sich in einer Vielzahl von Fertigkeiten. „ Es gibt beträchtliche Unterschiede
bei den kognitiven Fähigkeiten innerhalb der Autismusgruppe, sie reichen von
sehr funktionsfähigen Individuen mit normaler oder höherer Intelligenz bis zu
solchen mit schwerer geistiger Behinderung"[5].
In der derzeitigen Forschung wird zwischen dem
frühkindlichen Autismus und dem Asperger-Syndrom unterschieden. Der
frühkindliche Autismus tritt vor dem 3. Lebensjahr auf; das Kind zeigt hierbei
deutliche Schwächen im Sozialverhalten, seiner Kommunikation und bei
repetitiven Verhaltensweisen, während sich das Asperger-Syndrom meist nach dem
3.Lebensjahr manifestiert und durch Auffälligkeiten im sozialen Verhalten und den
eingeschränkten Interessen des Kindes deutlich wird.
An dieser Stelle soll ein wenig spezifischer auf das
Asperger-Syndrom eingegangen werden, da dieses erst später zu Tage tritt und
vielfach erst mit dem Eintritt in die Schule erkannt wird. Kinder, die unter
dem Asperger-Syndrom leiden, haben zunächst eine normale Sprachentwicklung,
erst später treten die ersten Defizite im Sprachgebrauch auf. Per Definition
haben Betroffene einen normalen bis hohen Intelligenzquotienten (IQ), so dass
sie am normalen Schulunterricht teilnehmen können, jedoch haben sie mit einigen
Lernschwierigkeiten zu kämpfen. Auf Grund ihres besonderen Lernstils und ihrer
Interessen werden sie oft als exzentrisch wahrgenommen und von ihren
Mitschülern gehänselt. Es fällt ihnen vielfach schwer, aktiv am Unterricht
teilzunehmen und ihn vollständig zu erfassen. Auch die sozialen Regeln auf dem
Pausenhof sind für sie schwer zu durchschauen, so dass sie sich nicht voll
integrieren können.
Aspekte der Umsetzung/ Methodischer Schwerpunkt:
Viele
Kinder und Erwachsene mit Merkmalen des Asperger-Syndroms werden nicht erkannt
oder fälschlicherweise als ADS/ADHS- Patienten diagnostiziert. Dieser Irrtum
zeigt, wie wichtig eine Früherkennung dieser Entwicklungsstörung für die
Betroffenen ist. Für eine erfolgreiche Integration müssen Eltern und Pädagogen
eng zusammenarbeiten, um sich so bestmöglich ergänzen zu können. Vielfach wird
in der Therapie ein Plan aufgestellt, der die spezifischen Bedürfnisse, Stärken
und Schwächen und die Ressourcen der Familie berücksichtigt.
TIPPs für die Lehrerin, den Lehrer zur Diagnose des
Asperger-Syndroms bei Schülern:
- Nutzen Sie den starken visuellen Lernstil dieser Kinder, welcher es ihnen ermöglicht, unter strukturierten und gleichbleibenden Bedingungen zu arbeiten
- Bringen Sie das gute Faktengedächtnis der Kinder im Unterricht ein und nutzen Sie die Fähigkeit sehr gut logisch-strukturiert denken und auswendig lernen zu können
- Schneiden Sie ihr Unterrichtsprogramm auf die individuellen Bedürfnisse solcher Kinder ganz besonders zu, so dass sie effektiv gefördert werden können
- Trainieren Sie die sozialen Fähigkeiten der Kinder
Zeitbedarf:
Alle oben genannten TIPPs können kurzfristig eingesetzt
werden und bedürfen keiner weiteren Schulung.
Materialien:
- in der Regel keine -
Sonstige Hinweise:
Zeigen Sie Geduld in der Arbeit mit solchen Kindern, aber
seien Sie bemüht, dass Kind in der Gruppe sozial einzubinden.
1.1.11. Borderline -Störung/
Borderline -Persönlichkeits-Störung (BPS)
Zielsetzung:
Die Borderline- (Persönlichkeits-) Störung (BPS) wird der
Kategorie der emotional instabilen Persönlichkeitsstörungen zugeordnet. Sie
wird seit 1975 durch die Entwicklung operationalisierter Kriterien nach
Gunderson und Singer auch in der DSM-IV aufgeführt und dort charakterisiert als
„Ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in den zwischen-menschlichen
Beziehungen, im Selbstbild und in den Affekten sowie deutliche Impulsivität.
Der Beginn liegt im frühen Erwachsenenalter bzw. in der Pubertät und
manifestiert sich in verschiedenen Lebensbereichen"[6].
Es müssen mindestens 5 der folgenden Kriterien erfüllt sein, damit man von
einer Borderline- Persönlichkeits-Störung ausgehen kann.
- Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden.
- Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.
- Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.
- Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen (Geldausgaben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, „Fressanfälle").
- Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten.
- Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung.
- Chronische Gefühle von Leere.
- Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, Wut oder Ärger zu kontrollieren.
- Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.
Gerade im schulischen Umfeld können Kinder, welche unter BPS
leiden, durch ihre gestörte Affektregulation im Unterricht auffallen. Diese
äußert sich insbesondere durch eine niedrige Reizschwelle, die dazu führen
kann, dass ein Kind schnell „ausrastet". Des Weiteren kann der Betroffene seine
Emotionen unter starkem Stress nicht mehr differenziert wahrnehmen, so dass
sich aversive Spannungszustände aufbauen können, welche durch dysfunktionale
Verhaltensmuster, wie Selbstverletzungen, kompensiert werden. Auch wenn
Selbstverletzungen vielfach als klassisches Indiz einer BSP gelten, soll an
dieser Stelle noch einmal hervorgehoben werden, dass sie eine Symptomatik sein
können, jedoch möglicherweise auch für andere psychosomatische Störungen
sprechen können. Die BSP ist eine relativ komplexe Persönlichkeitsstörung, die
nur von ausgebildeten Psychologen richtig diagnostiziert werden kann. Kinder
und Jugendliche mit BSP zeigen ein tiefgreifendes Gefühl der Unsicherheit
bezüglich ihrer eigenen Identität und Integrität sowie ein starkes negatives
Selbstbild. Weiterhin auffällig ist das starke Gefühl dieser Kinder anders zu
sein als alle anderen, isoliert und abgeschnitten von Welt und Wirklichkeit.
Sie haben große Schwierigkeiten bei der psychosozialen Integration in der
Klasse und können schwer zwischen-menschliche Beziehungen aufbauen, da die
Regulation von Nähe und Distanz ihnen enorme Schwierigkeiten bereitet. Ein
weiteres auffälliges Verhaltensmuster von BSP-Patienten ist ihr
Hochrisikoverhalten, welches sich beispielsweise durch schnelles Autofahren und
Balancieren auf Hochhäusern/Schulgelände äußern kann.
Aspekte der Umsetzung/ Methodischer Schwerpunkt:
Einige der Symptomatiken, die als Anzeichen einer BSP
gelten, können auch auf ganz normale Jugendlichen in der Pubertät zu treffen,
wie etwa eine gewisse Unsicherheit bezüglich ihrer eigenen Identität oder aber
eine kritische Halt gegenüber ihrem eigenen Selbstbild. Es ist jedoch ratsam,
die Verhaltensweisen des auffälligen Kindes mit denen der Anderen zu
vergleichen und in Beziehung zu setzen.
TIPPs für die Lehrerin, den Lehrer zur Diagnose von
Schülern mit einer BSP:
- Suchen Sie in Verdachtsmomenten zunächst das Gespräch mit den Eltern, ob bestimmte Auffälligkeiten auch im privaten Rahmen zu erkennen sind
- Falls dies der Fall ist, raten Sie eine ambulante Therapie (Einzeltherapie und später Fertigkeitstraining in der Gruppe) bei einem Psychologen zu beginnen
- Integrieren Sie das Kind im besonderen Maße in die Klassengemeinschaft, indem sie Gruppen- und Partnerarbeitsphasen einbauen, so dass das Kind langsam lernt, Nähe zuzulassen
- Drängen Sie das Kind nicht zu Aufgaben, die ihm unangenehm sind und es in Stress versetzen (Vortrag vor der Klasse)
- Versuchen Sie die Interessen und Fähigkeiten des BSPlers gezielt aufzugreifen und ihm so Erfolgsmomente zu bescheren
- Im Bereich des Sports können Sie gezielt Sportarten einüben, die eine Vertrauensebene schaffen (kleinere Spiele und Klettertraining)
Zeitbedarf:
Alle oben genannten TIPPs können kurzfristig eingesetzt
werden und bedürfen keiner weiteren Schulung.
Materialien:
- in der Regel keine -
Sonstige Hinweise:
Versuchen Sie eine Vertrauensebene zu dem Kind aufzubauen
und ermutigen es mit den eigenen erbrachten Leistungen.
Literatur
Bohus, M.: Borderline- Störung.
Fortschritte der Psychotherapie. Hogrefe Verlag. Göttingen. 2002
Calvert, B.: Die Schülerrolle- Erwartungen und Beziehungen.
Otto Maier Verlag Ravensburg.
1976
Dodd, S.: Autismus. Was Betreuer und Eltern wissen müssen.
Spektrum Verlag. München
2007
Döpfner, M. u.a.: ADHS. Informationen für Betroffene,
Eltern, Lehrer und Erzieher zu
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen.
2.Auflage. Hogrefe Verlag
Göttingen. 2007
Fink, I.: Kein Stress mit LRS. Praxiserprobter Leitfaden für
Eltern und Pädagogen. VAK
Verlag. Freiburg. 2004
Holling, H., Wittmann, A.J.: Hochbegabtenberatung in der
Praxis. Ein Leitfaden für
ehrenamtliche Berater, Erzieher,
Lehrer, Ärzte und Psychologen. 2.Auflage. Hogrefe
Verlag. 2004
Lempp, R.: Lernerfolg und Schulversagen. Eine Kinder- und
Jugendpsychiatrie für
Pädagogen. 2.Auflage. Kösel-Verlag.
München. 1973
Petillon, H.: Der unbeliebte Schüler. Theoretische
Grundlagen, empirische Untersuchungen,
pädagogische Möglichkeiten.
Westermann-Verlag. Braunschweig. 1978
Rustemeyer, R.: Einführung in die Unterrichtspsychologie.
Wissenschaftliche
Buchgesellschaft. Darmstadt. 2004
Warnke, A. u.a.: Legasthenie- Leitfaden für die Praxis.
Begriff- Erklärung- Diagnose-Behandlung- Begutachtung. Hogrefe
Verlag. Göttingen. 2002
Tabelle 1: Fördermaßnahmen für begabte Schüler mit
Umsetzungsbeispielen
Akzeleration(beschleunigtes Lernen) |
Enrichment(vertieftes Lernen) |
Mischformen(Akzeleration/Enrichment) |
|
Vorzeitige Einschulung (im Schulgesetz der Bundesländer verankert) |
Individualisierung (individualisiertes Lernen an der Max-Brauer-Schule Hamburg) |
Akzeleration ganzer Klassen („D-Zug-Klassen"/ Schnellläuferklassen am Humboldt-Gymnasium in Berlin-Tegel) |
|
Überspringen von Klassen (Einzel- und Gruppenspringen) |
AGs und Kurse (Begabtenförderungsprojekt Kolumbus-Kids, Uni Bielefeld) |
Altersgemischte Klassen (Zusammenfassung der 1. bis 3. Klasse an der Eichendorffschule Bielefeld) |
|
Fachspezifische Akzeleration (Drehtürmodell am Geschwister-Scholl-Gymnasium Lüdenscheid) |
Bundes- und landesweite Schülerwettbewerbe M/NaWi: Mathematik- Biologie-Physik-Chemie-Olympiade, Jugend forscht, Känguru-Wettbewerb, Bio-logisch Sprachen: Bundeswettbewerb Fremdsprachen, Latein-/Griechisch-Wettbewerb, Russisch-Olympiade Lit./Theater/Kunst: Jugend schreibt, Vorlese- Märchenwettbewerbe, Schultheaterwochen, Literaturwettbewerb OWL, Kunstwettbewerbe Musik: Jugend musiziert, Profilklassen Musik, Bläserklassen Ges.-Wiss.: Jugend debattiert, Schülerwettbewerbe zur politischen Bildung, Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten, Philosophische Wettbewerbe |
Spezialschulen für Hochbegabte (Schule des christlichen Jugenddorfwerks Deutschlands in Braunschweig) |
|
|
Schülerakademien Deutsche Schülerakademie, Juniorakademie NRW, Akademie Informatik, Stipendienaufenthalte im Deutschen Museum, MINT-Camp, Sommerakademie Münster |
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Universitätsveranstaltungen (Studieren ab 16 an der Uni Bi, Kolumbus-Kids, Kinder-Uni) |
|
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Schülerprojekte Schüler helfen Schülern, EULE, Teutolab, Agenda 21- Schule in NRW, Schülerfirma |
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Zusätzliche Qualifikationen in den vielfältigsten
Bereichen Sprachen: Profilklassen Sprachen, bilingualer Unterricht, Erlernen weiterer Sprachen, wie Chinesisch, Griechisch, Altgriechisch, Japanisch, Italienisch etc. Sprach-Zertifikate: DEL, DELE, DALF, Cambridge, TOEFL, TRKI, LCCI, APIEL, Hebraicum NaWi: SINUS, MINT, SAM-OWL, Profilklassen NaWi, Europ. Computerpass |
|
[1] Wittmann,A.,
Holling, H.: Hochbegabtenberatung in der Praxis. S.208
[2] A. Warnke: Legasthenie.
Leitfaden für die Praxis. S.24
[3] Wittmann,
Holling: Hochbegabtenberatung in der Praxis. S.124
[4] Dodd:
Autismus. Was Betreuer und Eltern wissen müssen. S.1
[5] Dodd:
Autismus. Was Betreuer und Eltern wissen müssen. S.7
[6] Bohus, M.:
Borderline-Störung. Fortschritte der Psychotherapie. S. 5
Lernstrategien für Lehrende
Lea Solty und Claas Wegner
Was sind eigentlich
Lernstrategien und welche Formen gibt es?
Im Bildungssystem der Bundesrepublik
Deutschland wird mit zunehmendem Alter der Lerner ein verstärkter Grad an
Selbstständigkeit und Eigeninitiative im Lernprozess vorausgesetzt, um
Lernmaterial zu sichten, Wissensinhalte zu erfassen und zu verarbeiten. Ein
effizienter inner- und außerunterrichtlicher Wissenserwerb kann nur dann
gelingen, wenn auf Seiten der Schüler „skills" (Fähigkeiten) ausgebildet sind,
welche die selbstständige Informations-suche, -Verarbeitung und -Speicherung
initiieren, lenken und überwachen. Diese Lern-techniken werden in der
Lehr-Lern-Forschung unter dem Titel Lernstrategien zusammen ge-fasst.
Die derzeitige pädagogische und
psychologische Forschung beschäftigt sich vermehrt mit dem Thema, wie Schüler
(diese Bezeichnung umfasst SchülerInnen gleichermaßen) allge-mein lernen bzw.
welche Lerntechniken ihnen vermittelt werden sollen, um effektives,
selbst-ständiges Lernen zu ermöglichen. An dieser Stellen seien nur kurz die
drei neueren deutsch-sprachigen Lernstrategieinventare genannt: das Kieler
Lernstrategieinventar (KSI) um Heyn, Baumert, Köller; das Inventar zur
Erfassung von Lernstrategien im Studium (LIST) von Wild, Schiefele sowie das
Motivated Strategies for Learning Questionnaire (MSLQ) von Nennin-ger
(vgl.Baumert,Köller,1996,S.138f.). Es geht dabei nicht nur darum, nach zu
vollziehen, wie lernen als Prozess vonstatten geht, sondern vielmehr welche
Fertigkeiten mit einem günstigen Lernerfolg einher gehen. Das Augenmerk wird
dabei zunehmend auf den aktiven Lerner und die Grundlagen des selbstgesteuerten
Lernens gelegt. „Besonders bei Bemüh-ungen um eine entwicklungsfördernde
Gestaltung der Lerntätigkeit wird die Notwendigkeit deutlich, sowohl die den
Lernenden verfügbaren Lernstrategien differenziert zu berücksicht-igen als auch
die diesbezüglichen Aneignungs- und Entwicklungsbedingungen differenziert zu
bestimmen und zu gestalten" (Lompscher,1996, S.1). Auf Grund des derzeitigen
großen schulischen Interesses an Lernstrategien werden sie in diesem Kapitel
behandelt und methodische Hilfestellungen bezügliches ihres Einsatzes gegeben.
Der Begriff Lernstrategien bezeichnet kein einheitliches,
wissenschaftliches Konzept. Viel-mehr bündeln sich in diesem Begriff
unterschiedliche Konstrukte verschiedenster Forsch-ungsgruppen. So werden zur
Beschreibung von Lernstrategien verschiedene Gesichtspunkte herangezogen, wie
die Einteilung nach Primär- und Stützstrategien nach Dansereau (1978), die
Unterscheidung nach allgemeinen und spezifischen Strategien nach Klauer (1988),
die Beschreibung von Lernstrategien nach ihrer Funktion für die
Informationsverarbeitung nach Weinstein/Mayer (1986) sowie die Unterscheidung
von Mikro- und Makrostrategien nach Sternberg (1988). Entsprechend der Vielzahl
an Konzepten beruht die folgende Darstellung auf der Beschreibung von
Lernstrategien nach Weinstein und Mayer. Nach Mandl und Friedrich stellen sie
„Handlungssequenzen zur Erreichung eines Lernziels" (Friedrich,Mandl, 1992,S.6)
dar. Während Lompscher folgenden Schwerpunkt setzt:„Lernstrategien sind mehr
oder weniger komplexe, unterschiedlich weit generalisierte bzw.
generalisierbare, bewusst oder auch unbewusst eingesetzte Vorgehensweisen zur
Realisierung von Lernzielen und zur Bewältigung von Lernanforderungen"
(Lompscher,1996,S.2). Weinstein und Meyer ver-stehen unter Lernstrategien
generell alles innere und äußere Verhalten, mit denen Lernende verschiedene
Aspekte des eigenen Lernens wie Motivation, Aufmerksamkeit,
Informations-auswahl und -Verarbeitung u.a. zu beeinflussen versuchen
(vgl.Friedrich,Mandl,1992,S.7). Uneinig ist sich die Forschung, ob man von
Strategienutzung nur bei bewusstem Entscheid-ungsverhalten spricht, oder aber
routinierte Handlungssequenzen auch dazu zählen.
Strategien werden daraufhin als zielführende
Verfahrensweisen aufgefasst, welche zunächst bewusst angewandt aber allmählich
automatisiert werden. Auf dieser Definition beruht die folgende Darstellung der
Lernstrategien.
Grundsätzlich werden folgende
Klassifikationen an Lernstrategien unterschieden (vgl. Mandl und Friedrich,
Handbuch Lernstrategien, 2006):
·
Organisationsstrategien
(S.117-150)
·
Wiederholungsstrategien
(S.101-116)
·
Elaborationsstrategien
(S.27-100)
·
Kontrollstrategien
(S.151-186)
·
Kooperationsstrategien
(S.261-296)
·
Motivations-
und Emotionsstrategien (S.223-260)
In der folgenden Ausführung werden nun die verschiedenen
Klassifikationen an Lernstrate-gien vorgestellt sowie ihr möglicher Einsatz im
Unterricht beleuchtet. Es sei jedoch vorab an-gemerkt, dass dies nur eine
kleine Auswahl aus dem Methodenrepertoire darstellt und sich noch eine Vielzahl
weiterer Arbeitsweisen finden lassen können. Außerdem werden die Strategietypen
lediglich vorgestellt, dem Autor ist jedoch bewusst, dass diese individuell auf
die Unterrichtssituation angepasst werden müssen.
1. Organisationsstrategien
Als Organisationsstrategien werden Lerntätigkeiten
verstanden, welche darauf abzielen, neues Wissen zu organisieren, indem die
bestehenden Verknüpfungen zwischen den Wissenselementen herausgearbeitet werden
(vgl.Friedrich,Mandl,2006,S.4). G.A. Miller hat sie 1956 erstmalig beschrieben.
Hierbei werden vielfach die komplexen Informationen in eine leichter zu
verarbeitende Form transformiert, da die Kapazität des Arbeitsspeichers
be-schränkt ist (vgl.Schräder-Naef,2002,S.44). Dementsprechend werden wichtige
Fakten und Argumentationslinien ermittelt oder zur Veranschaulichung in Skizzen
dargestellt. Weiterhin kann so ein tieferes Verständnis für den neuen Lernstoff
erzeugt werden. Durch sie werden Detailinformationen zu größeren Sinneinheiten
zusammengefasst und gruppiert. Dieser Strategietyp ist aus folgenden Gründen
wichtig für die Lerntätigkeit der Schüler. Sie helfen ihnen bei der
Organisation der großen Lernstoffmenge, indem die Lerninhalte in ange-messene
Lernsequenzen untergliedert wird. Für visuelle Lerntypen kann die Darstellung
von Sachverhalten in Form einer Mind-Map beispielsweise helfen, die einzelnen
Verknüpfungen besser im Langzeitgedächtnis abzuspeichern. Weiterhin können die
Anwendung von Markierungs- und Lesetechniken den Lerner in vielen
Fachrichtungen weiterhelfen. Ebenfalls zu bedenken, ist die Tatsache, dass sich
eine Klasse aus verschiedensten Schülerpersön-lichkeiten zusammensetzt, bei
denen beispielsweise der Underachiever vielfach vor dem Problem steht, dass er
nicht in der Lage ist, sein vorhandenes Wissen zu strukturieren und in der
jeweiligen Lernsituation zutreffend abzurufen. Ferner können Schüler mit einer
Lese-Rechtschreib-Schwäche durch Lese- und Markierungstechniken ihr Unvermögen
langsam verbessern und Schüler mit autistischen Zügen in ihrem
Organisationstalent unterstützt werden. Derartige Schülertypen profitieren von
der Aneignung von Organisationsstrategien. Darüber hinaus entlasten sie auch
die Arbeit der Lehrer, da diese durch die Darbringung von
Organisationslernformen den Schülern Materialien mit an die Hand geben können,
mit Hilfe derer sich die Lerner eigenständig ihren Lernschwierigkeiten stellen
können.
Als Anwendungsbeispiele für die Unterrichtspraxis können
hier exemplarisch folgende Verfahren vorgeschlagen werden, wie etwa Strategien
der externen Visualisierung (Mind-Map), Zusammenfassung von Texten und die
Lesetechnik SQ3R-Methode.
TIPPs:
- Der Lernstoff kann durch ansprechende Visualisierungsformen (Mind-Map) über-schaubar gemacht und in einen Sinnzusammenhang gebracht werden.
- Geordnetes Material (durch Textmarkierung) kann leichter verstanden und wieder ab-gerufen werden.
- Ideen können immer und überall notiert werden und zeigen eine klare Struktur, die bei einer späteren Gliederung hilfreich sein kann (spontaner Einsatz von Mind-Maps).
- Eine effektive Lesetechnik (wie die SQ3R-Methode) ist nicht nur für den Deutsch-unterricht, sondern für jedes weitere Lernen auch in anderen Fächern wichtig.
2. Wiederholungsstrategien
Ein Schüler wird an einem einzigen
Schultag mit einer Fülle an Informationen konfrontiert. „Nur wenig Lernstoff
wird durch einen einmaligen Informationsimpuls bereits im Langzeit-gedächtnis
verankert. Je detaillierter ein Lernstoff ist, umso wichtiger wird die rasche
Wieder-holung des eben Erlernten als Voraussetzung für die Erinnerung"
(Konrad,1999,S.85). Die Bedeutung des Wiederholens von Lerninhalten haben
Atkinson und Shiffrin (1968) als Erste untersucht und somit in den Fokus der
Wissenschaft gerückt(vgl.Friedrich,Mandl,1992,S.11). Das aktive Wiederholen und
Hersagen soll bei dieser Lernstrategie helfen, die einzelnen Fakten im
Langzeitgedächtnis ab zu speichern. Neben dem klassischen Lernen von Wort- oder
Vokabellisten können auch Formeln (Saprobienindex), Regeln
(Hardy-Weinberg-Gesetz), Schemata (Strukturformeln der Aminosäuren) und
bestimmte Zusammenhänge (Einfluss der Temperatur auf Tiere) über
Memorierungstechniken gelernt werden. Dies sind nur einige Beispiele aus dem
biologischen Fachbereich. Diese Lernstrategie lässt sich jedoch für jedes
Unterrichtsfach bzw. auf jegliche Lerntätigkeit (z.B. Fragebögen der
Führer-scheinprüfung) anwenden. Hilfreich ist diese Lernstrategie für alle
Schüler und wird fast auto-matisch zum Lernen von Vokabeln und Formeln
eingesetzt. Besonders förderlich ist sie für schwächere Schüler, oder Schüler
mit einer Lese- Rechtschreib- oder Autismus- Spektrum-Störung. Diese Kinder
brauchen häufig etwas mehr Zeit und Wiederholungsphasen um einen neuen
Lernstoff in Gänze zu erfassen. Auch Underachiever können von dieser Lernform
profitieren, nämlich dann, wenn sie erst langsam wieder an eine längere
Beschäftigung mit komplexen Aufgaben heran geführt werden müssen. Die Lehrer
erwarten diese Lerntätigkeit von den Schülern und fördern sie, indem sie
Reproduktionsaufgaben stellen, bei denen die Schüler auf ihr bereits
vorhandenes Wissen zurück greifen müssen.
Als eine sinnvolle Technik des
Wiederholens insbesondere von Vokabeln hat sich das Lern-prinzip mit der Lernkartei bewährt. Diese lässt
sich jedoch ohne weiteres auch auf nicht-sprachliche Fächer übertragen, indem
etwa Fachbegriffe aus dem Biologieunterricht auf der einen Seite und deren
Bedeutung auf der Rückseite der Karteikarte notiert werden. Neben diesem
Lernverfahren existieren noch eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten, um das
Wieder-holen von Inhalten für die Schüler interessant zu gestalten. So kann ein
Lernposter von den Schülern selbst gestaltet werden und im Klassenraum neue
Sachverhalte präsent allen ver-anschaulichen.
TIPPs
- Betten Sie regelmäßige Wiederholungsphasen (Kontrolle der eingangs gestellten Hausaufgaben) in den Unterricht ein.
- Mit der Lernkartei kann jeder Schüler an seinen individuellen Schwächen arbeiten.
- Lernposter können von den Schülern selbstständig oder im Team erstellt werden. Sie sollten allerdings maximal 3.Wochen in der Klasse hängen und können in fächerüber-greifenden Projekten erstellt werden.
- Erläutern Sie den Schülern, wie wichtig das systematische Wiederholen ist, z.B. für zu Hause, um Begrifflichkeiten und Formeln präsent zu haben und dem Unterricht folgen zu können.
.
3. Elaborationsstrategien
Bei allen Lern- und
Wissenserwerbsprozessen stellt sich das Problem, neues Wissen in eine
bestehende kognitive Struktur zu integrieren (vgl.Friedrich,Mandl,2006,S.2).
Diese Lernform ist besonders dazu geeignet, um neu aufgenommenes Wissen in eine
bestehende Wissens-struktur ein zu bauen. Elaborative Techniken, wie sie
erstmalig von van Dijk und Kintsch 1983 benannt werden, fördern Verstehen und
Behalten neuen Wissens, weil durch sie die neue Information mit bestehendem
Wissen vernetzt wird. Derjenige wendet solche Strate-gien an, der sich
Analogien und Eselsbrücken zu einem lernenden Sachverhalt ausdenkt oder aber
neues Wissen mit seinem Vorwissen verbindet, oder mit eigenen Worten
be-schreibt, wie z.B. begabte Schüler (vgl.Schräder-Naef,2002,S.44). Daher
fördern sie ein am Verstehen orientiertes Lernen. Weitere Gruppe elaborativer
Techniken dient dem Einprägen und Behalten bedeutungslosen und unstrukturierten
Materials. Gemeint sind Mnemotechnik-en wie die Methode der Orte der die
Schlüsselwortmethode; sie sind hilfreich beim Auswen-diglernen von Vokabeln
oder Fachbegriffen.
Elaborationsstrategien fördern bei
ihrem Anwender die Einübung komplexer Zusammen-hänge, somit können sie
insbesondere den Lernprozess von Begabten, Underachievern und Strebern
unterstützten. Die Lehrkraft kann durch Anwendungs- und Syntheseaufgaben diese
Strategieausbildung begünstigen.
Aus der Vielzahl an elaborativen
Lernmethoden sollen hier lediglich diejenigen Erwähnung finden, die sich in der
Unterrichtspraxis gut integrieren lassen. Hierzu zählen Verfahren der
Vorwissensaktivierung wie das Brainstorming oder die Analogiebildung sowie die
Nutzung von Notizen und die Mnemotechnik.
TIPPs:
- Öffnen Sie ihren Unterricht für spontane Assoziationsketten (Brainstorming) der Schüler
- Versuchen Sie anschauliche Bilder aus der Lebenswelt der Schüler zur Erklärung komplexer Sachverhalte (Vorwissensaktivierung, Analogien) heran zu ziehen
- Leiten Sie ihre Schüler zu einer übersichtlichen Heftführung (z.B. nach der GÜTE-Formel) an
- Bringen Sie gedächtnisfördernde Strategien (wie Merksätze) in ihren Unterricht ein, mit ihrer Hilfe lassen sich Lerninhalte leichter behalten
- Lernen mit Reimen und Vorstellungsbildern macht Spaß
4. Kontrollstrategien
Effektives Lernen erfordert auch die
Anwendung von Strategien, mit deren Hilfe der eigene Lern- und Denkverlauf kontrolliert
werden kann. Diese Art von Strategien bezeichnet man als
Kontrollstrategien, welche erstmals
von Borkowski, Pressley und O´Sullivan 1985 vorgestellt wurden. Kompetente
Lerner verfügen über derartige Taktiken, um ihren eigenen Lern- und Denkprozess
zu planen, überwachen, die jeweiligen Resultate zu überprüfen und zu
reflek-tieren. Man bezeichnet sie daher, im Unterschied zu den kognitiven
Strategien, als meta-kognitive Strategien, „da sie sozusagen über den
kognitiven Prozessen operieren" (Friedrich, Mandl, 2006,S.5) und dazu dienen
den eigenen Informationsverarbeitungsprozess zu regu-lieren. Zur Planung einer
Lernsequenz zählen zum Beispiel das Setzen von Lernzielen (Ver-ständnis für die
Zusammensetzung des menschlichen Auges) oder das Formulieren von Kontrollfragen
(Wie entsteht Weitsichtigkeit?). Diese Techniken unterstützen den Lerner dabei,
sich einen Handlungsplan für das weitere Vorgehen zurecht zu legen.
Überwachungs-techniken helfen, den eigenen Lernfortschritt zu kontrollieren,
wie etwa die Überprüfung, ob man den gelesenen Sachverhalt auch wirklich
verstanden hat. Und schließlich zählen noch die
Überprüfungs-/Regulationstechniken hinzu, die den Lerner unterstützt, die
eigene Lern-tätigkeit den Aufgabenanforderungen anzupassen, wie etwa das
erneute Lesen eines schwierigen Textabschnittes. Diese Lernstrategie richtet
sich eher an erfahrenere Lerner, bei denen die Reflexionsfähigkeit bereits
ausgeprägt ist. Jüngere Schüler müssen auf diese Technik erst vorbereitet
werden. Ebenfalls kann der Schülertyp des Klassenclowns bei einer
Aufgabenstellung, bei denen Kontrollstrategien gefragt sind, sich stärker auf
die Aufgabe selbst konzentrieren und minimiert so die Gefahr, sich durch andere
Tätigkeiten von dem Lernstoff ab zu lenken. Schüler mit einer
Lese-Rechtschreib-Schwäche können desgleichen mit derartigen Strategien
gefördert werden und hochbegabten Schülern kommt eine struktur- und
organisationsfördernde Arbeitsweise sehr entgegen. Der Lehrer führt die Schüler
mit Hilfe dieser Lerntätigkeiten an ein eigenverantwortliches Arbeiten heran
und schafft ihnen einen Einblick in die Strukturierung des Arbeitsprozesses.
Als Anwendungsbeispiel für die
Schulpraxis soll an dieser Stelle das Lerntagebuch genannt werden.
TIPPs:
- Die eigenständige Bearbeitung einer Aufgabe ohne fremde Hilfe fördert das Selbst-bewusstsein des Kindes.
- Ein Lerntagebuch kann den Kindern helfen, über ihren eigenen Lernprozess zu reflektieren. Die Reflexionskompetenz wird gefördert, welche gerade für das spätere Leben der Kinder ganz enorm wichtig ist.
- Während Freiarbeits- oder Wochenplanarbeitsphasen bietet sich die Führung eines Lerntagebuches an.
- Die Lehrer können die Schüler bei der Entwicklung von ihren individuellen Kontroll-strategien fördern und begleiten.
5.Kooperationsstrategien
In der heutigen Gesellschaft ist Lernen vielfach ein
kooperativer Prozess, welcher soziale Interaktionen beinhaltet. Bereits 1977
führte Tough erste Untersuchungen durch, um den positiven Effekt der
Zusammenarbeit auf den Lernerfolg
bei Erwachsenen zu belegen. Der Bildungsserver NRW gibt folgende
Definition für diese Form des Lernarrangements. „Kooperatives Lernen bedeutet,
dass sich Schülerinnen und Schüler gegenseitig bei der Arbeit unterstützend und
gemeinsam zu Ergebnissen gelangen. Dies geschieht in Partner- oder
Gruppenarbeit" (http://www.learn-line.nrw.de/angebote/greenline/lernen/grund/gruende.
html,Stand:3.9.2009). Als eine Grundvoraussetzung für das erfolgreiche Arbeiten
in Gruppen müssen einige Bedingungen erfüllt sein. Hierzu zählen vor allem,
günstige Lernbedingungen zu schaffen. Dabei muss man zum einen auf die
Unterrichtsorganisation achten, so dass die räumlichen und zeitlichen
Bedingungen eine kooperative Arbeitsweise unterstützen. Das bedeutet, dass es
nur sinnvoll ist einen Erkundungsgang im angrenzende Biotop mit den Schülern in
Kleingruppen zu unternehmen, wenn es die zeitliche Planung erlaubt. Innerhalb
eines zehnminütigen Aufenthalts werden die Kinder kaum die Möglichkeit haben,
charakter-istische Tier- und Pflanzenarten zu bestimmen. Weiterhin hängt es von
der Aufgabenstellung ab, ob diese sich eignet allein oder eher in Gruppen
bearbeitet zu werden. Den Kindern sollte die Möglichkeit gegeben werden, ihre
kooperativen Fähigkeiten zu nutzen; darunter fallen u.a. Gesprächsführung,
Entscheidungsfindung, Kommunikation und Konfliktbewältig-ung. Die Lehrkraft
sollte sich jedoch nicht ganz zurück nehmen, sondern vielmehr den Schülern
Lernhilfen zu Gestaltung ihrer tutorialen Lernumgebung schaffen. Ein
entscheiden-der Faktor für eine effektive Gruppenarbeit besteht in der Größe
der Teilnehmerzahl der Lerner. Sie sollte eine Anzahl von 3-4 Schüler nicht
übersteigen. Als förderlich hat sich eine heterogene Gruppenzusammensetzung
erwiesen, d.h. dass Leistungsstarke mit Schwäche-ren gemeinsam eine Gruppe
bilden und sich so kooperativ unterstützen können. Ferner konnten Studien zur
Lernleistung in Gruppen von Slavin 1993 zeigen, dass diejenigen am meisten
lernen, die ihrem Gegenüber einen Sachverhalt eigenständig erklären. Der
Zuhörer profitiert zwar auch von einem Lernzuwachs, jedoch ist dieser nicht so
stark ausgeprägt, wie bei seinem erläuternden Gruppenmitglied. Ebenso konnte
man nachweisen, dass die aktive Teilnahme innerhalb einer Gruppenarbeit sich
positiv auf die Behaltensleistung der Lerner auswirkt
(vgl.Huber,2006,S.263).
Wie Huber jedoch anmerkt, „wenn Lernen in Gruppen
stattfindet, bedeutet dies nicht notwendig, dass die Gruppenmitglieder beim
Lernen kooperieren"(Huber,2006,S.261). Die natürliche Lernsituation in einer
Schulklasse ist eher durch Konkurrenz zwischen den Lernenden bestimmt.
Andererseits ist Lernen in Gruppen die Normalsituation bei vielen arrangierten
Lernprozessen. Kooperative Lernarrangements hängen daher sehr stark von der
Lerngruppe ab, in der sie eingesetzt werden sollen. Neben der angesprochenen
Kon-kurrenz kann es auch zur Ausbeutung der Streber oder der stillen und
schwachen Schüler kommen. Kooperative Lernformen sind für alle Schülergruppen förderlich,
insbesondere können so Schüler sehr gut in das Unterrichtsgeschehen integriert
werden, welche eher eine Außenseiterrolle einnehmen, etwa wie stille Schüler,
Außenseiter und Kinder mit ADH-Störungen. Ferner kann man die Stellung von
König oder sehr begabten Schülern nutzen, indem diese mit schwächeren Schülern
in eine gemeinsame Gruppe gesteckt werden. Für die Lehrkraft sind derartige
Lernformen ideal, um etwas Verantwortung für den Lernprozess an die Schüler
selber abzugeben und ihre Teamfähigkeit zu schulen. Um diese Lernform im
Unterrichtsgeschehen zu integrieren, wurden viele verschiedene kooperative
Lernsettings entwickelt, von denen zwei hier Erwähnung finden sollen.
Einerseits soll das Gruppenpuzzle als kooperative Lerntätigkeit genannt werden
und andererseits die Anwendung eines Kooperationsskripts, wie das
MURDER-Skript.
TIPPs
- Suchen Sie die Aufgabenstellung so aus, dass sie sich für ein kooperatives Arbeiten eignen.
- Kooperative Lernformen müssen geübt werden. Lassen Sie sich nicht durch anfäng-liche Misserfolge entmutigen.
- Das soziale Miteinander fördert das Klassenklima und hilft einer Überforderung der Schüler vor zu beugen.
- Die Lerngruppe muss sozial in der Lage sein, eine solche Lernform zu erproben, ansonsten müssen Vorübungen vorangeschaltet werden.
6.Motivations- und Emotionsstrategien
„Die Motivation von Lernern [...] wird meist wie
selbstverständlich als zentrale Bedingung des Lernerfolgs betrachtet"
(Schiefele,Streblow,2006;S.232). Jedoch spielen weitere Faktoren, wie etwa die
Intelligenz, das Vorwissen oder das Interesse ebenfalls eine entscheidende
Rolle. Rheinberg (2002) beschreibt
Motivation als eine aktivierende Ausrichtung auf einen positiv
bewerteten Zielzustand (vgl.Schiefele,Streblow,2006,S.233). Dabei geht er davon
aus, dass die Stärke dieser Ausrichtung die Dauer und Intensität des Handelns
beeinflusst. „Übertragen auf den schulischen Kontext bedeutet dies, dass es vom
Ausmaß der Lern-motivation abhängt, ob ein Schüler überhaupt eine Lernaktivität
verfolgt und wie lange bzw. wie intensiv er lernt"
(Schiefele,Streblow,2006,S.233). Weiterhin unterscheidet man zwischen
extrinsischer und intrinsischer Motivation. Intrinsisch motivierte Handlungen
werden ausge-führt, weil sie positive Erlebensaspekte aufweisen und für den
Lerner interessant, spannend oder herausfordernd wirken, wie etwa der Einsatz
von lebenden Tieren im Unterricht. Dem-gegenüber weisen extrinsisch motivierte
Handlungen eine instrumentelle Funktion auf. Sie werden durchgeführt, um
positive Konsequenzen zu erreichen (z.B.: Lob der Eltern) oder Negative (z.B.:
Tadel der Eltern) zu vermeiden. Für den Lernprozess bedeutet dies, dass
Personen in Leistungssituationen das Erleben von Kompetenz und Tüchtigkeit
anstreben, um motiviert und interessiert sich mit einem Lerngegenstand
auseinander zu setzen. Die Förderung des individuellen und thematischen
Interesses bei Schülern ist in der aktuellen Forschung ein wichtiges Anliegen
geworden (Anknüpfung an Haustiere, etc.). Insbesondere leistungsstarke Schüler,
wie Underachiever und Begabte, aber auch leistungsschwächere
Schülerpersönlichkeiten, wie Schüler mit Autismus- oder Borderline-
Persönlichkeitsstör-ungen können von motivational- emotionalen Lernstrategien
profitieren. Daher sollen dies-bezüglich einige Hinweise und Anmerkungen
gegeben werden, wie man die intrinsische Lernmotivation und das Interesse der
Lerner im Unterricht fördern kann. Im Gegensatz zu den anfangs vorgestellten
Lernstrategien lassen sich bei diesem Strategietyp nicht so ein-deutige
Anwendungsbeispiele darstellen, es können eher Ansätze präsentiert werden,
welche in charakteristischen Situationen beachtet werden sollten.
„Ein erklärtes Ziel schulischen Unterrichts besteht darin,
die Schüler für den Lernstoff zu interessieren. Eine Möglichkeit Interesse zu
wecken, wird häufig darin gesehen, die Unter-richtsinhalte möglichst
ansprechend darzubieten, abwechselungsreich und unterhaltsam vor-zugehen und
unerwartete, überraschende Fragen oder Inhalte zu präsentieren", wie etwa durch
einen Filmausschnitt oder überraschend anmutende Versuche (Schiefele,Streblow,
2006,S.238f.). Als zentrale Voraussetzungen hierfür werden das Bedürfnis nach
Kompetenz, Selbstbestimmung und soziale Einbindung vielfach genannt. „Das Ziel
der Förderung von intrinsischer Lernmotivation und von fachlichen Interessen
besteht darin, positives Erleben während des Lernens zu ermöglichen und den
persönlichen Wert bzw. den Bedeutungs-gehalt eines Lerngegenstandes für den
Lernenden zu erhöhen" (Schiefele,Streblow,2006, S.239). Im Folgenden werden
Anregungen gegeben, wie diese vier Förderschwerpunkte in der Schulpraxis
verwirklicht werden können.
Die folgenden Interventionen können dazu beitragen, dass
beim Lernen das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten (Kompetenzwahrnehmung)
gestärkt wird. Streblow und Schiefele führen diesbezüglich folgende Punkte an:
Extrinsische Motivation der Schüler (Lob/Tadel), Förder-ung aktiver Beteiligung
und lebenspraktischer Anwendungen, den Lernstoff klar, strukturiert und
anschaulich präsentieren sowie eine soziale Unterstützung bei angemessenen
Auf-gaben (vgl.Schiefele,Streblow,2006,S.240).
Die Förderung der Selbstbestimmung der Schüler kann
gefördert werden, indem ihnen Wahl-freiheit und Handlungsspielräume eröffnet
werden. Auch wenn auf Grund des Lehrplans nicht immer eine Mitbestimmung an
Unterrichtsinhalten erfolgen kann, so kann man ein-richten, dass die Schüler
die Unterrichtsmethode auswählen können. Dies kann auf folgende Weise
ermöglicht werden: Mitbestimmung im Unterricht ermöglichen, Handlungsspielräume
vergrößern, Selbstbewertung zulassen und Ankopplung an übergeordnete Ziele.
Um das Gefühl der sozialen Eingebundenheit zu erhöhen,
sind folgende Maßnahmen ge-eignet: Der Einsatz von Teamarbeit sowie ein
partnerschaftliches Lehrer-Schüler-Verhältnis. Mögliche Ansätze hierfür ergeben
sich durch die gemeinsame Methodenwahl und in der Sek.II aktuell durch das
Zentralabitur, welches Schüler und Lehrer als Team gemeinsam bestreiten. Um
neben der Befriedigung der drei Grundbedürfnisse noch den subjektiven Wert des
Lerngegenstandes zu erhöhen, könnten diese Maßnahmen erforderlich sein: das
Ziel des Lernens muss klar und persönlich bedeutungsvoll sein, der Lehrende
sollten ihr eigenes Interesse am Stoffgebiet zum Ausdruck bringen
(Vorbildfunktion), der emotionale Gehalt des Lernstoffs sollte erhöht werden,
die praktischen Anwendungsmöglichkeiten sollten hervor-gehoben werden, der
Lernstoff sollte mit „natürlichen" Interessen bzw. Alltagsbezug ver-bunden sein
und schließlich soll der Lehrer für Abwechselung und Neuheit sorgen.
An dieser Stelle sei angemerkt, dass einige der benannten
Punkte auch auf die extrinsische Motivation abzielen. Diese wird zwar oft
verteufelt, im Gegensatz zu ihrem positiven Gegen-spieler der intrinsischen
Motivation, ist jedoch ebenso fester Bestandteil des schulischen Lernens.
TIPPs
·
Geben Sie den Schülern positive Rückmeldungen über ihre
erbrachte Leistung
·
Versuchen Sie den Lernstoff so strukturiert und
anschaulich wie möglich überzu-bringen
·
Geben Sie den Schülern die Möglichkeit den Unterrichtsverlauf
selber mit zu bestimmen, z.B. in Form einer Projektarbeit
·
Nutzen Sie kooperative Lernformen, wie das
Gruppenpuzzle, um das soziale Gefüge der Klasse zu fördern und nicht immer die
gleichen Schülerarbeitsgruppen zu erhalten
·
Machen Sie ihr eigenes Interesse am Lerngegenstand
deutlich, vielleicht können Sie die Schüler mit ihrer Begeisterung anstecken
·
Lassen die Schüler so oft wie möglichst praktisch und
selbstorganisiert arbeiten; neben Experimenten in den Naturwissenschaften
lassen sich in den übrigen Fächer ebenfalls schülernahe Aufgaben finden (z.B.
Schülerzeitung, etc.)
Fazit
Die Schule wird vielfach als Haus des Lernens bezeichnet,
ein Ort, an dem demnach man lernt zu lernen („Lernen zu lernen"). Ein zentraler
Bestandteil des dabei zu erwerbenden Know-hows sind Lernstrategien Jedoch ist
dieser Erwerb bisher eher ein Nebenprodukt schulischen Lernens gewesen. Im
Konflikt zwischen der Optimierung der Informations-vermittlung und dem Aufbau
der Lernkompetenz hat sich die Schule für den Ersteres entschieden.
„Wenn Lernstrategien und Methodenkompetenz aber der Rang
von Schlüsselqualifikationen zukommt, [...],dann sollten diese auch
systematisch aufgebaut werden, so dass Lernende am Ende ihrer Schulzeit über
ein Repertoire an Lernstrategien verfügen, welche sie bewusst, aufgaben- und
situationsbezogen einsetzen können"(Friedrich,Mandl, 2006,S.17). Um dieses Ziel
zu erreichen, muss die Vermittlung von Lernstrategien systematisch von der
Schule organisiert und von den Lehrkräften mitgetragen werden. Die
Langfristigkeit schulischen Lernens ist neben dem vielfältigen Fächerkanon und
dem daraus resultierenden Nutzen der fächerübergreifenden Anwendung von
Lernstrategien ein idealer Ort für deren Aneignung. Von daher ist es äußerst
wichtig, dass sich die Lehrkräfte mit dieser Thematik auseinander-setzen und
versuchen, diese möglichst früh ihren Schülern zu vermitteln. Erst durch das
wiederholte Einüben dieser Lerntechniken können sich die Lerner zu guten
Strategie-benutzern entwickeln, welche sich nach Staub durch ein breites
Repertoire an Techniken auszeichnen, welche sie zielbewusst auswählen und deren
Einsatz kontinuierlich an die sich verändernden Anforderungen anzupassen wissen
(vgl.Staub,2006,S.66).
Literatur
Ballstaedt,
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(Hrsg.): Handbuch Lernstrategien. Göttingen: Hogrefe Verlag; 2006
Baumert,
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Köller, O. (Hrsg.): Emotion, Kognition, Schulleistung. Weinheim: Beltz Verlag;
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Friedrich,
H.F., Mandl, H. (Hrsg.): Lern- und Denkstrategien. Göttingen: Hogrefe Verlag;
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(Hrsg.): Handbuch Lernstrategien. Göttingen: Hogrefe Verlag; 2006
Konrad, K.: Lernstrategien für
Kinder. Baltmannsweiler: Schneider-Verlag; 1999
Lompscher,
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Mandl, H.,
Friedrich, H.F. (Hrsg.): Handbuch Lernstrategien. Göttingen: Hogrefe Verlag;
2006
Schiefele,
U., Streblow, L.: Motivation aktivieren. In: Mandl, H., Friedrich, H.F.
(Hrsg.): Handbuch Lernstrategien. Göttingen: Hogrefe Verlag; 2006
Schräder-Naef,
R.: Lerntraining in der Schule. Voraussetzungen - Erfahrungen -Beispiele.
Weinheim: Beltz Verlag; 2002
4. Diagnose - DE.2.pdf